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Der 21. März ist nicht nur der Tag, an dem offiziell der Frühling Einzug bei uns hält, sondern auf dieses Datum fällt auch der Internationale Tag gegen Rassismus. Gründe genug, um in die Weierstraße nach Oberhausen-Sterkrade zu blicken. Das ist einer der vier Orte in der Stadt, die politischen und Wirtschaftsflüchtlingen seit einigen Jahren als neue Heimat dienen und wo an diesem Wochenende unter dem Motto „Angekommen-Angenommen?“ zum ersten Mal ein „Tag der offenen Tür“ stattfindet. Gemeinsam mit ehrenamtlichen HelferInnen haben die Bewohner der Oberhausener Flüchtlingslager aus der Weierstraße, der Gabelstraße und der Bahnstraße das Fest der Kulturen organisiert.

Die Weierstraße 119 umgibt ein ungemütliches Industriegebietsflair, das durch das nasskalte Wetter an diesem Samstag noch verstärkt wird. Das erste Gebäude, was einem bei dem Betreten des Geländes in den Blick fällt, ist die in Oberhausen als „Haus A“ bekannte Männerunterkunft. Schon von weitem ist offensichtlich, wie heruntergekommen das Gebäude ist. Überall sieht man Stellen, an denen die Feuchtigkeit in das Gebäude dringt. Man mag sich kaum vorstellen, wie das Innere des Hauses aussieht: Die Fenster scheinen nur noch durch dicke Farbschichten zusammengehalten zu werden, die Gardinen sind gelblich-grau und hängen traurig vor den Fenstern. An der einen oder anderen Stelle erhascht man einen Blick in eines der Zimmer, die mit Etagenbetten zugestellt sind. Von Privatsphäre oder einem Zuhause kann man hier wahrlich nicht sprechen.

Zwischen großen Müllcontainern und vereinzelten Osterglocken, die das Grau der Umgebung ein wenig auflockern, fällt der Blick auf eine Reihe von weißen Wohncontainern. Trotz des beengten und ärmlich ausgestatteten Geländes fällt hier direkt eine unvermutete Fröhlichkeit auf. Kinder jeden Alters laufen über die matschigen Wege, Frauen und Männer grüßen freundlich. Auf einem kleinen Platz steht ein Zelt, es tummeln sich bereits einige Gäste unter den Zeltdächern, die zum „Tag der offenen Tür“ gekommen sind. Viele sind zurückhaltend, schauen sich um, andere sind bereits in ein Gespräch mit den Bewohnern der Container verwickelt und wagen neugierig einen Blick in die Wohnunterkünfte, in denen vielfach bis zu fünf Personen auf knapp 22 Quadratmetern leben. Einer der Container ist besonders stark frequentiert und lautes Kinderlachen dringt aus seinem Inneren. Hier wurde eine Art Kindergarten eingerichtet, der einen Ausgleich zu dem bisher fehlenden Spielplatz schaffen soll. Heute dient der Container aber als Beautysalon für die Kleinen: Mit Lippenstift, ein wenig Rouge und Lidschatten, Parfum und Haarspray zaubern die Helferinnen ein Lachen auf die Gesichter der Kinder.

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Auf den wenigen trockenen Flächen des Geländes hat Ezerdzan Idrizi Informationsplakate über seine Heimat und sein Volk, die Roma, aufgehängt. Er ist mittlerweile zum Sprecher der Bewohner der Weierstraße geworden, da er als einer der wenigen dort Deutsch spricht. Zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern ist er aus Südosteuropa gekommen, wie so viele der Flüchtlinge in der Weierstraße. Aus den Lautsprechern dringt Musik des Liedermachers Konstantin Wecker, der dem „Tag der offenen Tür“ seine Solidarität und seine guten Wünsche ausgesprochen hatte. Spätestens, als einige der jüngeren Bewohner dann ihre selbstgeschrieben Songs, die übrigens in Zusammenarbeit mit dem Oberhausener Theater aufgenommen wurden, zum Besten geben, steigt die Stimmung und aus kulturellen und sprachlichen Barrieren wird auf einmal eine internationale Party.

Den ganzen Tag wird gespielt, gebastelt, gemeinsam gegessen und erzählt. Die Bewohner der Flüchtlingsheime, das war die Absicht hinter dem „Tag der offenen Tür“ sind zum ersten Mal ihrer Anonymität entkommen. Sie wollen sich integrieren, wollen der Stadt Oberhausen, die sie aufgenommen hat, und deren Bewohnern etwas zurückgeben. Mit dem Erlös des Tages planen die Organisatoren den Bau eines so dringend benötigten Kinderspielplatzes. Zusätzlich soll das Projekt „Internationaler Garten“ seinen Anfang finden, „um die furchtbare Zeit des Nichtstuns und des Wartens überbrücken zu können“, erklärt Ellen Diederich, die sich als Ehrenamtliche für die Flüchtlinge in Oberhausen einsetzt.

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