Noniin – das wohl wichtigste Wort im finnischen Sprachgebrauch, denn man sagt es in jeder möglichen und unmöglichen Situation (abgesehen von vittu, perkele und saatana, deren Übersetzung ich nur auf persönliche Anfrage mitteilen werde ;)) oder wenn man keine Lust hat, einen langen Satz zu sprechen.

Auswandern nach Finnland: Bye, bye Urlaubsfeeling

Fast drei Monate lebe ich nun in Helsinki und aus dem Gefühl, Urlaub zu haben, wird so langsam das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Die Nachwehen des Umzugs verflüchtigen sich, die Kartons sind geleert und so langsam kommt auch bei mir der Alltag an. Es ist ein anderer Alltag als in Deutschland und besonders in den ersten Wochen in Helsinki hatte ich das Gefühl, vollkommen strukturlos in den Tag hinein zu leben. Ich stellte fest, dass mir der Umzug und all die Gedanken, die ich mir um das Auswandern gemacht hatte, doch einiges an Energie abverlangt hatten. All die Sorgen, die Ängste, die Vorfreude, das Planen und Organisieren, das Fertigstellen der Dissertation, der tatsächliche Umzugstag, der Abschied von den Eltern – die Luft war raus und so passierte in den ersten Wochen hier in Helsinki auch nicht viel mehr als Kisten auszupacken und die Wohnung einzurichten.

An dieser Stelle möchte ich übrigens noch einmal meinem Bruder und seiner Freundin danken, die mit mir diesen wahnsinnigen Abenteuerumzug gewagt haben 🙂 Ihr wart klasse! Danke, danke, danke!!! Und allen, die einen Umzug mit Sprinter und Fähre nach Helsinki planen, sei gesagt: Es ist viel Arbeit und viel Organisation, aber der Stress reduziert sich, sobald alle Kisten verstaut sind und man sich auf der Autobahn befindet. Allein das Warten in Travemünde, bevor man auf die Fähre darf, ist ermüdend und zermürbend.

Auswandern nach Finnland: Der Alltag stellt sich ein

Froh war ich, als endlich mein erster Sprachkurs an der Sommeruniversität (kesäyliopisto) hier in Helsinki begann. Von Montags bis Donnerstags war ich gut ausgelastet mit sechs verschiedenen Fällen der Bewegung, dem Stufenwechsel, menschlichem Bingo und einer Lehrerin, die nach Logik in der finnischen Grammatik fragte – eine Logik, die sich mir bis heute nur sehr mühsam erschließt. „Don´t worry, the Finns will understand you, even when you make mistakes“ entwickelte sich nach und nach zu meinem Mantra, das ich wohl auch noch ein wenig beibehalten werde 😉 Seit Juli besitze ich auch endlich die magische elf-stellige Identifikationsnummer, ohne die hier in Finnland nichts möglich ist: Man kann kein Konto eröffnen, man kann sich kein Monatsticket kaufen, keine Steuerkarte beantragen oder einen Adressenwechsel vornehmen. Man bleibt quasi zwangsweise ein Tourist, bis zu dem Zeitpunkt, wenn die finnische Posti endlich den ersehnten Brief von der Polizei (poliisi) zustellt, in dem einem mitgeteilt wird, dass man nun offiziell registriert sei und eine persönliche Identifikationsnummer besitze. Damit eröffnet sich dann allerdings eine komplett neue Welt, die zum größten Teil online erschlossen werden kann. Steuerkarte beantragen? Geht online mit zwei Klicks. Adressenwechsel? Geht online mit zwei Klicks. Internetvertrag?… Richtig, online mit zwei Klicks. Allein für die Eröffnung eines Bankkontos muss man dann doch persönlich mit Personalausweis erscheinen.

Nächste Woche erklimme ich dann bereits neue Höhen der finnischen Sprache, beginne eine kleine freiberufliche Tätigkeit als Deutschlehrerin (mit erstem echten Gehalt aus Finnland) und biete zudem einen deutsch-kulturellen Klub als Volunteer eines multikulturellen Vereins an. Es bleibt also spannend und, da bin ich mir sicher, hier und da auch kurios 🙂

Zum Abschluss gibt es jetzt noch einen Clip mit meinem finnischen Lieblingslied und meinen beiden Lieblingssängern Vesa-Matti Loiri und Samuli Edelmann  ❤ Viel Spaß!