Es ist Herbst! Ganz eindeutig. Die Tage werden merklich kürzer und seit einigen Tagen ist es richtig schön stürmisch draußen. Die Ruska (siehe den Beitrag Finnische Jahreszeiten: Indian Summer im hohen Norden) neigt sich also langsam, aber sicher ihrem Ende zu.

Während mein <3-Finne in ganz finnischer Manier über den anstehenden Winter, die Kälte und kommende dunkle Jahreszeit klagt, könnte ich nicht fröhlicher sein: Endlich kann man sich abends auf dem Sofa wieder in die Decke kuscheln, heißen Tee trinken und hier und da auch mal eine Kerze anzünden – ich liebe den Herbst einfach und ganz ehrlich? Ich mochte das Ruhrgebiet und war immer wieder von den vielen Grünanlagen dort überrascht. Doch während die Jahreszeiten dort aus irgendeinem Grund einfach an mir vorbei gerauscht sind, ohne dass ich sie wirklich wahrgenommen habe, erscheint mir hier alles viel eindringlicher, farbenfroher, intensiver. Ich könnte stundenlang aus unserer großen Wohnzimmerfensterfront in den angrenzenden Park hinausschauen, Birke, Ahorn und Co. zuhören, die im Wind rauschen, und die farbenprächtigen Blätter beim Umherfliegen beobachten. Während ich also heute morgen, den bereits kühlen Herbstmorgen genießend, meinen Kaffee schlürfte, fiel mein Blick unvermittelt auf den Facebook-Beitrag eines finnischen Freundes: Hyvää korvapuustipäivää! (Fröhlicher Zimtschneckentag!) stand dort und es folgte ein Bild mit einem Backblech voller Zimtschnecken! – Ich werd‘ nicht mehr – die Finnen haben tatsächlich einen nationalen Zimtschneckentag??!!

Alltag in Finnland: Ohrfeigen zum Fressen gern

Korvapuusti kann man im Deutschen mit ‚Ohrfeige‘ übersetzen. Leider konnte ich bisher nur herausfinden, dass die Bezeichnung schon seit dem Beginn des 19. Jahrhundert existiert. Warum und weshalb ist (zumindest bisher) noch ein Mysterium. Korvapuusti haben ihren Ursprung in Schweden. Dort heißen sie Kanelbulle. Anders als in Nordamerika, wo das Gebäck mit Zuckerguss bestrichen wird, ist das Markenzeichen der nordischen Zimtschnecke die Zuckerperlen, die das Topping des Gebäcks bilden. Hier in Finnland findet man im Durchmesser bis zu 20 Zentimeter große und bis zu 200 Gramm schwere Korvapuusti. Ist das nicht ein Traum?

Alltag in Finnland: Zeit zum Backen

Korvapuusti kann man ganz easy-peasy selber machen und vor allem duftet die Wohnung dann so wunderbar nach Zimt und Zuhause und Wärme und überhaupt 🙂 Probiert es einfach mal aus. Hier gibt´s das Rezept (Video: youtube.com):

Für den Teig braucht ihr: 5 dl Milch, 2 dl Zucker, 1 Ei, 1 EL Kardamon, 1 TL Salz, 50 g frische Hefe, 13-15 dl (ca. 1 Kg) Mehl, 150-200 g Butter.

Für die Füllung braucht ihr: 150 g weiche Butter, 6 EL Zucker, 1,5 EL Zimt (ich nutze immer mein Augenmaß und bin da nicht so penibel 😉 Schließlich muss es ja eine richtig saftig-süße Füllung sein, oder?)

Für das Topping: Perlzucker und 1 Ei

 

In Finnland findet man Korvapuusti in eigentlich jedem kahvila (Café) – frisch gebacken und stets lauwarm. An dieser Stelle möchte ich das Café Regatta besonders hervorheben: Dort gibt es die besten ‚Ohrfeigen‘ überhaupt, zumal das Ambiente des schnuckeligen Cafés einfach überirdisch gut ist.

Ihr seht, ich bin ganz vernarrt in diese süchtig-machenden Hefeteile. Wie überaus praktisch ist doch da das herbstliche Wetter, das mich heute morgen geradezu herausforderte, den Nachmittag mit Kaffee und Korvapuusti zu zelebrieren.

Hach, ich liebe den Herbst ❤ Hyvää korvapuustipäivää kaikille! (Fotos: Privat)