Von dem ersten Gedanken an eine mögliche Auswanderung bis hin zu dem eigentlichen Umzugstag sind bei mir circa fünf Jahre vergangen. In all der Zeit habe ich vor allem über das Für und Wider eines Umzugs ins Ausland nachgedacht, die Beziehung zu meinem <3-Finnen auf die Probe gestellt, mir überlegt, was ich tue, wenn meine Auswanderung ein Desaster wird und so viele Informationen wie nur möglich gesammelt.

Auf nach Helsinki. Foto: www.telegraph.co.uk
Auf nach Helsinki. Foto: http://www.telegraph.co.uk

Prinzipiell läuft eine Auswanderung, insbesondere, wenn es sich um einen Umzug ins europäische Ausland handelt, immer gleich ab. Trotz alledem hätte ich mir in der Zeit vor meinem Umzug gewünscht, speziell über die Erfahrungen anderer Finnland-Auswanderern zu lesen, um zu entscheiden, um was ich mich dringend kümmern muss und was auch noch bis nach dem Umzug Zeit hat. Deswegen habe ich überlegt, dass ich in einer kleinen Artikelserie meine Erfahrungen zu Planung, Durchführung und zu wichtigen Behördengängen im Rahmen einer Auswanderung nach Finnland teile. Schließlich soll mein ganzes angelesenes Wissen ja auch zu etwas gut sein 😉

Auswandern nach Finnland: Fragen über Fragen

In diesem ersten Teil geht es um die Vorbereitungen, die man noch vor der eigentlichen Umzugsplanung treffen sollte. Ich habe mit dieser Phase ganz ernsthaft ungefähr ein Jahr vor meiner Auswanderung begonnen. Durch das Lesen zahlreicher persönlicher Auswandererblogs und den Hinweisen digitaler Nomaden hatte ich eine ungefähre Idee, was mich im Ausland erwarten wird. Doch ehrlich gesagt blieb Vieles dennoch sehr unklar und schwammig: Traf das, was ich vielleicht in einem Blog über Schweden las, auch für Finnland zu? Wie ist das genau mit der sozialen Absicherung und überhaupt mit der Anmeldung in Finnland? Muss ich zuerst zur Polizei oder doch zum Maistraatti? Kann ich weiterhin in Deutschland gemeldet sein? Mein Arbeitgeber hat seinen Sitz in Deutschland, was muss ich da beachten? Fragen über Fragen, die ich aus irgendeinem Grund für mich nicht befriedigend zu lösen vermochte. Teilweise widersprachen sich die Informationen und während die einen Auswanderer recht lässig mit all den Fragen zu Erst- und Zweitwohnsitz und ähnlichem umgingen, nahmen es andere wieder so genau, dass ich den Schritt, ins Ausland zu ziehen, fast fürchtete. Ich kann euch allen, die ihr nach Finnland auswandern wollt, jedoch beruhigen. Im Endeffekt regelt sich das meiste von selber, auch wenn trotz allem noch ein klitzekleines bisschen Planung vonnöten ist. Also keine Panik!

Empfehlen möchte ich euch zuallererst das Raphaelswerk, das seit sage und schreibe 1871 (!) aktiv ist. Ging es in der Vergangenheit zunächst um den Schutz katholischer Auswanderer, steht die „einzige von der Deutschen Bischofskonferenz anerkannte katholische Organisation für Migranten“ seit 2007 unter der Koordination des Generalsekretariats, das „trägerübergreifend die fachliche Koordination der Arbeit  der gemeinnützigen Auswanderungsberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände“ übernimmt. Ein Termin beim Raphaelswerk kann ich allen Auswanderungswilligen nur empfehlen. Ausführliche Informationen und alle Kontaktdaten findet ihr unter https://www.raphaelswerk.de/. Auch der Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige kann man einen virtuellen Besuch abstatten und sich ausführlich über das Zielland und allgemeine Hinweise zu einer Auswanderung informieren. Dort gibt es auch viele Formulare, die zum Download bereitgestellt werden und für den einen oder anderen vielleicht nützlich sind.

Neben den ‚weichen‘ Faktoren, die vor einer Auswanderung bedacht werden sollten  (Will ich wirklich ins Ausland umziehen? Was mache ich, wenn ich scheitere? Was ist mit Heimweh? Wo finde ich neue Freunde?) gibt es ein paar harte Fakten, die man beherzigen sollte und die das Abenteuer ‚Auswanderung‘ ein wenig strukturieren. Das beginnt bei der Kündigung für die Wohnung und hört bei der Besorgung des richtigen und ausreichenden Umzugsmaterials auf. Anfang 2016 befand ich, dass es an Zeit war, sich eine Checkliste zu besorgen, um keinen wichtigen Punkt vor der Abreise zu vergessen.

Auswandern für Dummies. Foto: Privat.
Auswandern für Dummies. Foto: Privat.

Es musste also ein Buch her, in dem ich gebündelt alle für den anstehenden Umzug relevanten Informationen finden würde. Gleichzeitig wollte ich keine Romane lesen, mich durch zu viele Informationen wühlen und dadurch nur unnötig Zeit verlieren. Meine Wahl fiel daher auf zwei Bücher. Das eine, Option Ausland. Erfolgreich Auswandern, hat mich durch den Ansatz der einleitenden Selbstanalyse, der gewählt wurde, überzeugt. Als roter Faden des Buchs dient den Autoren der eigene Realitätssinn und der Wille zur Organisation, an den der Leser immer wieder erinnert wird. Meine zweite Buchwahl war Im Ausland leben für Dummies. Ein wirklich angenehm zu lesender Band, der zu meiner Freunde tatsächlich eine ausführliche Checkliste mit Zeiteinteilung beinhaltete – für Auswanderungswillige, die den Umzug mithilfe eines Umzugsunternehmens durchführen wollten und für so welche wie mich, die alles in Eigenregie planen und schaffen wollten. Perfekt! Ich war glücklich und hangelte mich ab dem Zeitpunkt an meiner Checkliste entlang. Das nahm mir einen Großteil meiner Befürchtungen und Unsicherheiten ab und mit einem Mal herrschte auch in meinem Kopf wieder Klarheit und Struktur.

Geliebte Checklisten. Foto: Privat.
Geliebte Checklisten. Foto: Privat.

So kontaktierte ich zur gegebenen Zeit meine Versicherungen, informierte mich, welche ich erst einmal weiterlaufen lassen konnte und welche nicht, meldete Verträge ab und überprüfte Kündigungsfristen. Ungefähr zwei Monate vor dem angesetzten Umzugszeitraum schickte ich dann die Kündigung an meine Vermieter. Bewusst hatte ich mir hier einen Monat extra eingeräumt, in dem ich zwar schon in Finnland leben, aber, im Falle eines Falles, immer noch meine Wohnung in Deutschland haben würde.

Auswandern nach Finnland: Persönliche Hinweise

Zugegeben – zu einem Umzug ins Ausland gehört schon eine gehörige Portion Struktur- und Ordnungswille, Mut und ein gesunder Realitätssinn, der einem sagt, dass aller Anfang schwer ist und vermutlich nicht so glatt abläuft, wie man sich das in all der Zeit vorher so schön zurecht gelegt hat. Das ist aber kein Grund, den Schritt nicht doch zu wagen. Ich muss gestehen, ich bin ja schon ein kleiner Sicherheitsfanatiker. Meinen <3-Finnen habe ich mit meinen Befürchtungen, Fragen, Unsicherheiten, meiner Planungswut und meinen Ängsten schon hart auf die Probe gestellt – der Arme 😉 Trotzdem brauchte ich diese Phase und ich brauchte das Gefühl, so gut wie möglich vorbereitet zu sein. Letzteres war für mich besonders wichtig, denn ich wollte meine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit vor allem in der ersten Zeit in der neuen Umgebung unbedingt aufrecht erhalten. Ich wollte mich, auch wenn mein <3-Finne es immer wieder anbot, nicht nur auf ihn verlassen und das aus mehreren Gründen: 1) Meistens kennt sich der Partner (und da war mein <3-Finne keine Ausnahme) weitaus weniger aus, was Auswanderungsgesetze, -pflichten und -regelungen in seinem Heimatland betreffen, 2) wenn ich weiß, an wen ich mich wann wenden muss und wo ich entsprechende Informationen und Telefonnummern finde, sichert das mir zu, in der ersten Zeit Dinge eigenständig erledigen zu können, ohne jedes Mal meinen <3-Finnen um Rat fragen zu müssen. DAS ist ein sehr gutes Gefühl und pusht das eigene Selbstbewusstsein, auch wenn es mal nicht so glatt läuft, und 3) lernte ich auf diese Weise schlicht und ergreifend, wie Behördengänge in der neuen Heimat funktionieren. Sich einigeln und auf den Partner verlassen, weil man von der neuen Umgebung, der fremden Sprache und Verhaltensweise eingeschüchtert ist, gilt hier nicht und dem wollte ich auch gleich so von vornherein vorbeugen, sollte ich wider Erwarten zu einer derartigen Verhaltensweise tendieren.

Das waren schon reichliche Informationen für´s Erste. In der nächsten Folge berichte ich über den eigentlichen Umzug, meine Umzugsroute und die Überfahrt auf der Fähre – das Fine-tuning sozusagen. Auch dann gibt es wieder einige Empfehlungen und Hinweise für euch 😉

Habt ihr Fragen? Wollt ihr etwas detailliertere Infos zu einem der Punkte? Ich bin gerne für euch da ❤

Hier habe ich euch jetzt noch ein paar Links zusammen gestellt, die mir in der Planungsphase unter anderem sehr geholfen haben:

Die Botschaft von Finnland in Berlin

Das Finnland-Forum (Forum)

Die Deutsch-Finnische Gesellschaft  (Forum)

Auswandern-Handbuch

Infopankki (gebündelte Infos zu allen wichtigen Themen)

CIMO (Organisation für internationale Mobilität. Eher für Studenten)

Expat-Finland und Easyexpat-Guide for Finland

Kela (Seite der finnischen Sozial- und Krankenversicherung)

Vero (Finnisches Finanzamt mit englischem Telefonservice, Web-Chat und vielen Infos zu steuerrechtlichen Fragen)

TE-palvelut (Finnisches Arbeitsamt)

Wirelesslife.de (Blog über das Auswandern und digitale Nomadentum)

Planet Backpack (größtes Reiseblog der digitalen Nomadin Conni)

Auswandern aus psychologischer Sicht (Ein interessanter Spiegelartikel)

20 Tipps gegen Heimweh

Luckan Integration (Super Service für Immigranten. Organisiert zahlreiche Veranstaltungen)

Familia (Multikulturelle Organisation mit vielen unterschiedlichen Angeboten für Immigranten)