Die ersten Schritte hatte ich nun also geschafft. Ich war theoretisch gut vorbereitet und wusste mehr oder weniger, was ich wann zu tun hatte, nachdem ich in Helsinki angekommen war. Jetzt ging es also ’nur‘ noch darum, den eigentlichen Umzug zu planen – eine Aufgabe, die ich, obwohl ich mich auf mein neues Leben freute, recht lange vor mir hergeschoben hatte. Zwar besaß ich nun meine Checkliste, die ich aber zunächst erst einmal gar nicht anrührte.

Ich stand komplett unter Strom, war mir auch sicher, dass ich den Schritt gehen wollte, doch aus irgendeinem Grund schien ich vollkommen handlungsunfähig zu sein. Ich habe keine Ahnung, warum das so war. Vielleicht (vermutlich) hatte ich Angst? Ich machte mir so unglaublich viele Gedanken. Nicht, dass ich dachte, ich schaffe das Leben hier in Finnland nicht. Daran hatte ich keinen Zweifel. Doch alles drumherum schien mit einem Mal auf mich einzustürzen.Überall tauchten Fragen auf. Was wäre, wenn…? – die Frage war mein ständiger Begleiter. Hinzu kam der Abschied von meiner Familie, der mir, wenn ich es vielleicht auch nicht ganz offen gezeigt habe, unglaublich schwer fiel und mit einem festen Auszugstermin und der Buchung der Fähre gab es schließlich auch kein Zurück mehr, sodass ich mir in all dem Stress um das Studieren der EU-Regelungen und Abschied nehmen wohl (unbewusst) bis zuletzt ein Hintertürchen offen lassen wollte…

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Die Umzugskisten stapeln sich. Foto: Privat

Irgendwann Anfang März kam dann doch auf einmal Bewegung in mich, was ich ein bisschen meinem Bruder, meinem immer treuen Umzugshelfer, zu verdanken hatte. Er wollte natürlich wissen, wann er sich für das anstehende Abenteuer denn frei nehmen sollte und wie der ganze Spaß überhaupt ablaufen würde. Ab dem Zeitpunkt wurde ich schnell 🙂 Ich begriff, dass, wenn ich Ende April wirklich umziehen wollte (und das wollte ich ja!), nicht mehr viel Zeit blieb. Zuerst kümmerte ich mich um die Überfahrt. Darüber hatte ich mir glücklicherweise schon die ganze Zeit mal mehr, mal weniger Gedanken gemacht. Es war klar, dass ich mein großes Doppelbett, alle meine Bücher und mein Geschirr mitnehmen wollte. In Helsinki wartete mein <3-Finne mit einem kleinen Bett, zwei Tellern, zwei Gläsern und vier Kaffeetassen auf mich (also, so ungefähr) 😉 – das war der eine (kleinere) Grund. Der weitaus größere Grund war: Ich wollte mich von ein paar meiner Sachen schlicht nicht trennen – ja, ich bin eben eine kleine Nostalgikerin. Nicht, dass ich Probleme habe, auszumisten und Dinge wegzuschmeißen, aber es gibt einfach ein paar Sachen, die ich um mich haben will. Das sind vor allem meine Bücher  – sehr zum Leidwesen meines Bruders, der bei meinen Umzügen regelmäßig am Fluchen ist 😉 Bücher sind leider nicht das vorteilhafteste Umzugsgut. Die andere Sache, von der ich mich dieses Mal nicht trennen konnte, war mein Geschirrservice. Wäre das von Ikea gewesen, hätte ich vermutlich zweimal überlegt, ob ich mir das Einpacken und Schleppen überhaupt antue. Aber als ich nach Bochum gezogen bin und mir eine eigene echte, große Küche gekauft hatte, überließ mir meine Mutter ein riesengroßes Service, das sie vor zig Jahren zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen hatte. Angemerkt sei hier, dass sich also meine Eltern nostalgietechnisch schon lange umorientiert hatten, während ich kurz vor meinem Umzug eine echte Bindung an das Geschirr entwickelte, sodass ich es nicht fertig brachte, ohne diese „Erinnerungsstücke“ Deutschland zu verlassen – man legt anscheinend so einige komische Verhaltensweisen an den Tag, wenn man ins Ausland zieht… Außerdem sind wir jetzt froh, dass wir teller- und tassenmäßig so gut ausgestattet sind und schon dafür finde ich, hat sich das Mitnehmen des Geschirrs gelohnt – basta! 🙂

Auswandern nach Finnland: Viele Wege führen nach Helsinki

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Vieles ist zu schade zum Wegwerfen: Sachspenden für Bochumer Sozialkaufhäuser. Foto: Privat

Mit der Liste der Dinge, die ich mitnehmen wollte, blieben also drei Möglichkeiten: Einen Sprinter mieten und selber fahren, eine Firma suchen, die eine Beiladung erlaubt und nach Finnland fährt, oder aber ein Umzugsunternehmen anheuern. Die Sache mit der Beiladung fand ich interessant, allerdings hatte ich von dieser Lösung erst kurz vorher gehört und fand es daher für mich persönlich zu zeitraubend, entsprechend gute Konditionen und Firmen herauszusuchen, zu prüfen, inwieweit ich noch bessere Angebote erhalten könne und auf was man speziell achten solle. Auch letztere Möglichkeit verwarf ich relativ schnell wieder und das aus mehreren Gründen: 1) Ich sollte schon vorab zur Berechnung des Preises das tatsächliche Umzugsvolumen angeben. Jedes zusätzliche Teil, das ich eventuell doch noch in meine Planung einbeziehen würde, würde zusätzliche (und zwar erhebliche) Kosten verursachen, 2) die Preise betrugen mit ca. 3000 Euro weitaus mehr, als ich ausgeben wollte und 3) hatte ich einige Erfahrungsberichte gelesen, in denen der Umzugscontainer erst Wochen später zu der neuen Wohnung geliefert wurde. Obwohl mir bewusst war, dass ein Umzug in Eigenregie nicht unstressig werden würde und man sich auch da bestimmten Zeiten und Regeln unterwerfen sollte, war das Thema „Umzugsunternehmen“ schnell Geschichte. Übrig blieb also die Sprinterumzugsvariante und auch im Nachhinein betrachtet würde ich einen derartigen Umzug (innerhalb Europas auf jeden Fall) jedes Mal wieder auf diese Weise durchführen wollen.

Der nächste Schritt war also, mich für eine Route zu entscheiden. Ich hatte mehrere Möglichkeiten durchgespielt und durchgerechnet. Dank dieses tollen Artikels hier hatte ich einen guten Überblick, was möglich wäre: http://www.elchburger.de/finnland/urlaub-und-reisen/reiseinformationen/anreise-mit-dem-auto Zunächst hatte ich mit meinem <3-Finnen überlegt, dass er einen Sprinter in Finnland mietet, über Tallinn und Polen nach Deutschland kommt und wir dann gemeinsam mit meinem Bruder und seiner Freundin zurückfahren. Das scheiterte aber daran, dass mein <3-Finne keinen Urlaub bekam. Als wir dieselbe Strecke von Deutschland aus planten, machten uns jedoch die deutschen Autovermietungen einen Strich durch die Rechnung. Aus einem mir unbegreiflichen Grund sind Fahrten nach und durch das östliche Europa mit Mietwagen (und übrigens auch Wohnwagen) grundsätzlich nicht erlaubt. Ein Schelm, wer etwaige Vorurteile dahinter vermutet… 😉 Nach mehreren Versuchen, eine Mietstation zu finden, die diesbezüglich keine Bedenken hatte, gab ich auf. Auch die Idee, in Deutschland einen Sprinter anzumieten und ihn in Helsinki abzugeben bzw. jemanden zu finden, der den Wagen mit eigener Beladung zurück nach Deutschland überführen würde, war nicht von Erfolg gekrönt. Deutsche Autovermietungen bieten die Einweg-Miete nur innerhalb der Grenzen Deutschlands an. Zu spät kam mir die Idee, dass ich hätte versuchen können, das Ganze andersherum, also von Finnland aus, zu arrangieren. Die nächste Möglichkeit, über Dänemark und Schweden zu fahren, schloss ich nach reiflicher Überlegung ebenfalls aus. Wir hätten mehrere Übernachtungen einplanen müssen, der Fahraufwand wäre immens gewesen und hätten wir die Schweden-Route genommen, wären wir zusätzlich an zwei Fährüberfahrten gebunden gewesen, was den Streplanungensslevel, rechtzeitig an den entsprechenden Häfen zu sein, zusätzlich erhöht hätte.

Letztendlich blieb für uns also die Fährüberfahrt Travemünde-Helsinki übrig. Abgeschreckt hatte mich zunächst die 29-Stunden-Überfahrt und die Bewertungen der auf dieser Strecke eingesetzten Fährlinie. Allerdings, je länger ich darüber nachdachte, wurde die Idee attraktiver und attraktiver. Die reine Fahrtzeit würde sich auf die Strecke Bochum-Travemünde und Hafen-<3-Finnes Wohnung belaufen. Hin-und Zück wären dies knapp 900 Kilometer reine Fahrtzeit. Auf der Fähre hätten wir 29 Stunden Zeit, uns zu entspannen und damit stressfrei, ohne Termindruck und ähnlichen Problemen in Helsinki anzukommen. Wir säßen außerdem nicht stundenlang zusammengepfercht in der Sprinter-Fahrerkabine, sondern könnten uns an Deck frei bewegen und das Meer genießen. Meine lieben Umzugshelfer waren Feuer und Flamme und noch bevor ich wirklich darüber nachdenken konnte, hatte mein Bruder bereits bei Finnlines angerufen und den besten Deal ever ausgehandelt. Aufgrund einer Messeveranstaltung, die zu meinem Umzugszeitraum in Helsinki stattfand, verkaufte Finnlines ein bestimmtes Kontingent an Special-Tickets zu Messepreisen. Wisst ihr, was das bedeutete? Für drei Personen + Sprinter + Kabine (Hin) und zwei Personen + Sprinter + Kabine (Zurück) habe ich ca. 700 Euro bezahlt! DAS nenne ich ein Schnäppchen 🙂 Hier ein kleiner Tipp für alle, die ähnliche Ideen wie ich haben: Es lohnt sich immer, bei Finnlines direkt anzurufen, um aktuelle Schnäppchen zu erfragen. Die Homepage ist da weniger ausführlich.

Auswandern nach Finnland: Der Plan steht

Natürlich habe ich das Angebot umgehend gebucht und ein paar Minuten später hielt ich das Ticket mitsamt Informationen zum Check-In in der Hand. Ein weiterer Anruf bei Sixt und ich hatte auch meinen Sprinter gebucht. Da ich meinen Bruder und seine Freundin als kleinen Dank noch ein paar Tage Urlaub in Helsinki bescheren wollte, reservierte ich das Fahrzeug für 9 Tage und bezahlte mit Frühbucherrabatt ca. 200 Euro (800 Freikilometer inklusive). Bäm! An einem Tag hatte sich also alles entschieden. Überfahrt und Umzugsfahrzeug standen fest und ein Großteil der Planung war damit vom Tisch. Auch in meinem Kopf kehrte endlich ein wenig Frieden ein. Das Gefühl, unter ständigem Strom zu stehen, Gedanken zu wälzen und Entscheidungen durchzuspielen, hatte ein Ende. Jetzt war es soweit. Aus jahrelanger Planung war ein konkretes Datum geworden und obwohl ich immer noch mit meinem Gewissen kämpfte, meine Eltern irgendwie doch alleine zu lassen, war ich gleichzeitig unglaublich sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Im nächsten Teil geht es dann vor allem um die Überfahrt und Tipps für eine 29-stündige Fährüberfahrt.

Hier wie immer noch ein paar hilfreiche Links für euch:

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/stadt/bochum/ (Für alles rund um den Umzug: Malermeister, Umzugshelfer… Gibt es nicht nur für Bochum)

https://www.anyvan.de/ (Vergleich von Umzugsunternehmen. Sehr netter Kundenservice)

https://www.umzug.de/tipps/umziehen/beiladung.html (Infos zum Thema „Beiladung)

https://www.umzug-easy.de/beiladung.php (Umzüge via Beiladung – Vergleich)

http://www.umzugskartons.net/ (Alles für den Umzug – top)

http://www.rentalcars.com/de/ (Vergleich von Autovermietungen, auch international)

http://www.mietwagen-check.de/mietwagen-International-Falls-o22035.html (Vergleich von Autovermietungen)

https://www.facebook.com/groups/488425261344995/ (Daniels Transportservice. Transportservice zwischen Deutschland und Finnland)