Lebt man in Helsinki, lernt man relativ schnell, dass Wochenendausflüge in die Nachbarländer gang und gäbe sind. „Mal eben mit der Fähre rüber nach … fahren“ hat, seit ich in Helsinki wohne, eine vollkommen neue Bedeutung erlangt und jedes Mal sitze ich mitten auf der Ostsee, irgendwo zwischen Schweden, Estland und Russland und denke: „Wow, wie cool ist das denn bitte? Du reist gerade einfach mal so nach …!“ Das vergangene Wochenende war es dann auch mal wieder so weit. Mein <3-Finne und ich hatten schon die ganze Zeit überlegt, was wir denn Schönes unternehmen könnten. Ich wäre auch happy gewesen, wenn wir ein bisschen Inlands-Sightseeing gemacht hätten – schließlich bin ich nicht in Finnland wie mein <3-Finne aufgewachsen, aber hey, wer sagt schon zu einem Bootstrip nein? 🙂

So diskutierten wir also hin und her, wogen Vor- und Nachteile ab („Am Samstag haben wir Sauna.“ (<3-Finne); „Wir könnten auch in Kino gehen und Pizza essen.“ (ich); „Ich möchte eigentlich nur ausruhen, die Arbeitswoche war anstrengend.“ (<3-Finne); „Wir könnten auch was in der Umgebung machen, dann hätten wir sogar Zeit für die Sauna am Samstag.“ (ich); „Ich will aber was richtig Tolles unternehmen.“ (<3-Finne); „In Vantaa gibt es die Fazer-Schokoladenfabrik und Schokolade macht glücklich.“ (ich); „Haha, stimmt.“ (<3-Finne); „Wie wäre es mit Tallinn? Das wäre am Samstag und wir hätten Sonntag Zeit für´s Ausruhen…“ (ich); „Let´s see…“ (<3-Finne)), bis um 15 Uhr dann die Nachricht meines <3-Finnen kam: „Ein paar Arbeitskollegen fahren nach der Arbeit nach Stockholm, wollen wir?“ Begeistert sagte ich zu, um kurz darauf eine halbe Krise zu bekommen, denn: „Um 16 Uhr musst du im Zentrum sein!“ Haha, ernsthaft? In einer kompletten Stunde sollte ich unsere Klamotten zusammen packen und mit dem Bus zum Hauptbahnhof kommen? Sehr witzig, liebster <3-Finne, braucht unser Bus von hier doch mindestens eine halbe Stunde ins Zentrum, wenn kein Stau herrscht! Glücklicherweise wusste ich da noch nicht, dass die Fähre pünktlich um 17 Uhr ablegen würde und wir noch vom Hauptbahnhof zum Hafen und durch den (zugegeben immer recht flotten) Check-In mussten…

img_2657Was für ein Stress an einem Freitagnachmittag! Dank der maximal 15 Minuten mehr, die mein <3-Finne mir eingeräumt hatte und der Option, vom Hauptbahnhof aus mit dem Taxi zum Hafen zu fahren, schafften wir es tatsächlich, pünktlich um 17 Uhr auf unserer Fähre, der Serenade, zu sein. Die Serenade ist das offizielle Cargoschiff des Weihnachtsmannes, wie mir der große Aufkleber an der Außenseite des Schiffes mitteilte und anders als die Schiffe nach Stockholm, die wir bisher immer genommen hatten, wurden wir dieses Mal nach Betreten des Schiffs mit leiser Jazzmusik begrüßt. Sehr schick 🙂 Die Serenade besitzt eine Promenade, gläserne Aufzüge und unsere hytti (Kabine) hatte sogar ein großes Außenfenster, sodass wir des Nachts das Meer vom Bett aus beobachten konnten.

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Während der Überfahrt ist für ausreichend Unterhaltung gesorgt. Es gibt natürlich den obligatorischen Duty-Free-Shop, wo die alkoholischen Getränke schon deutlich günstiger als in Finnland selber sind, einen Moomin-Shop, zahlreiche Spielautomaten sowie zwei bis drei Bekleidungsgeschäfte. Daneben finden sich außerdem noch ein Sports-Pub, ein oder zwei Find-Dining-Restaurants, ein Restaurant für Normalos mit Burger-, Hot Dog- und Kötbullar-Gerichten (auch für Veggies übrigens) sowie ein Casino. Die Ausstattung der Schiffe variiert von Schiffslinie zu Schiffslinie, grundsätzlich bleibt die Struktur aber die gleiche. Zuerst suchten wir den Duty-Free-Laden auf. Mittlerweile bin ich so eingefinnischt, dass ich bei jeder mir gebotenen Gelegenheit Vorräte kaufe (Wein vor allen Dingen, der auf den Schiffen meist um die Hälfte günstiger als in Finnland selber ist). Danach laufen wir meist auf dem Boot umher, genießen das ein oder andere Bierchen und machen die Spielautomaten unsicher. Ich habe mittlerweile sogar ein Lieblingsspiel: Jokeri Pokeri 🙂

Beim Aufwachen am nächsten Morgen (und da zeigt sich hoffentlich, dass man den Abend vorher den ein oder zwei Bierchen nicht zu sehr zugesprochen hat ;)) fährt man bereits in den Hafen von Stockholm ein. Die Serenade parkt allerdings leider etwas sehr weit außerhalb des eigentlichen Zentrums, und zwar, wenn ich richtig liege (die Schweden-Liebhaber und -Kenner mögen mich berichtigen) im Bezirk Ladugårdsgärdet. Jedenfalls war Gärdet dieses Mal die Metrostation, die uns in die Stockholmer Innenstadt brachte.

Übrigens: Ein super Tipp zum Essen gehen (nicht nur für Vegetarier und Veganer) ist das Hermanns – Vegetarische Restaurant. Das Buffet mit allem Drum und Dran ist DER Hit! Versprochen!!! Mehr Fotos gibt es auch auf dem Facebook-Profil.

So, und da ich ja sonst immer viel Text habe, lasse ich dieses Mal einfach die Bilder sprechen 🙂 Hier gibt´s eine Compilation der vergangenen Stockholmbesuche seit 2010 (Fotos: Privat).