Ich trete beim Finnisch lernen im Moment auf der Stelle! Nachdem ich in den ersten Wochen und Monaten ganz gute Fortschritte gemacht hatte, habe ich nun das Gefühl, noch viel weniger als vorher zu können und dadurch, dass an der Sommeruniversität im Moment auch keine Kurse angeboten werden, fehlt mir der tägliche Umgang mit der Sprache.

Suomen kieli – die finnische Sprache: Die Krux der gemeinsamen Sprache

„Du hast doch einen finnischen Freund?! Ihr müsst zu Hause Finnisch reden!“ – das höre ich immer wieder, ist aber aus Erfahrung eher nicht machbar, wenn man sich in einer anderen Sprache als Finnisch (bei uns also Englisch) kennen gelernt hat und da bin ich nicht die Ausnahme. Ganz vielen aus meinem letzten Finnischkurs ging es ähnlich. Ich glaube nicht, dass das etwas mit Desinteresse oder Nicht-Wollen zu tun hat, sondern mit der Tatsache, dass bi-nationale Partnerschaften mitunter anderen Herausforderungen begegnen müssen, die vor allem auf sprachlichen Missverständnissen beruhen – zumindest am Anfang. Weder für meinen <3-Finnen, noch für mich ist Englisch die Muttersprache und fließend Englisch sprechen zu können schützte zumindest mich am Anfang nicht davor, einfach, im wahrsten Sinne des Wortes, sprachlos vor meinem <3-Finnen zu stehen, weil mir in einer Diskussion, einer Meinungsverschiedenheit oder vor lauter Aufregung partout nicht einfallen wollte, wie ich meine Meinung jetzt am geschicktesten ins Englische übersetze. Nicht von ungefähr kommt hier und da ein liebevolles „You and your Yoda-English“ von meinem <3-Finnen. Hat man sich dann aber an eine gemeinsame Sprache gewöhnt und eine gemeinsame Sprachbasis gefunden, ist es überaus schwer, erneut die Sprache zu wechseln. Insbesondere dann, wenn einer von beiden nur einen Bruchteil der Muttersprache des anderen beherrscht.

Glücklicherweise habe ich mittlerweile ein sehr hohes passives Sprachverständnis. Ich verstehe das meiste, was gesprochen wird, vor allem, wenn mir das Thema bekannt ist. An guten Tagen fällt es mir sogar recht leicht, auch einen Großteil von dem zu verstehen, was Leute untereinander auf der Straße sprechen. Ich finde es toll, dass ich das mittlerweile sagen kann. Allerdings: Das Sprechen fällt mir unglaublich schwer! Es ist schon verrückt. Nach vier Kursen und einer guten grammatikalischen Basis sollte ich doch voller Power und Selbstbewusstsein sein, die Sprache endlich auch im realen Leben anwenden zu können. Ich weiß ja, wie wichtig das Sprechen ist, denn erst dadurch lernt man. Doch irgendwie stecke ich gerade fest. Es muss eine Lösung her!

Suomen kieli – die finnische Sprache: Alternativen zum klassischen Sprachkurs

Seit einiger Zeit besuche ich mehr oder weniger regelmäßig sogenannte Sprachcafés (kielikahvila). Dort trifft man sich in ungezwungener Runde bei Plätzchen, Kaffee, Tee und Obst, um gemeinsam über irgendein Thema zu sprechen. Finnische Tutoren sind dabei quasi die Lehrer, die die Gespräche in Gang halten, erklären und für Fragen zur Verfügung stehen. Ich finde das ein ganz nettes Konzept. Der Nachteil allerdings ist, dass Gespräche häufig durch sehr erfahrene Schüler dominiert werden, die den weniger guten Finnischschülern kaum eine Chance lassen, sich einzubringen. Für Leute wie mich, die ewig brauchen, um in einer neuen Sprache mit dem tatsächlichen Sprechen anzufangen, wird es da schwierig. Zumindest trainiere ich mein Hörverständnis 😉

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Foto: helmet.fi

Da Lesen ja bekanntlich hilft, den Wortschatz zu erweitern, habe ich mir schließlich überlegt, Mitglied der finnischen Bibliothekslandschaft zu werden. Grundsätzlich vertrete ich ja die Ansicht, dass man sich einer Sprache am besten durch Kinderliteratur, Musik und dem Ausprobieren verschiedener, in der Lernsprache verfassten Küchenrezepten nähert. Während ich die letzten zwei Dinge schon häufiger ausprobiert hatte, fehlten mir bisher noch die Erfahrungen bezüglich der Kinderliteratur. Es musste also ein Bibliotheksausweis her.

Vor zwei Tagen kam ich dann auch endlich stolz mit neuem Bibliotheksausweis in der Tasche nach Hause und zeigte meinem <3-Finnen mein ersten echtes finnisches Kinderbuch, das ich ganz pragmatisch nach Kapitelgröße und dem Schwierigkeitsgrad des ersten Satzes ausgewählt hatte (irgendwie muss man ja Kriterien setzen, nicht wahr?). Außerdem fand ich, dass die Kategorie spekulatiivinen fiktio (spekulative Fiktion) ziemlich ansprechend klang und so war meine Wahl auf Kummitusjuna (Geisterzug) gefallen. Das wurde von meinem <3-Finnen mit „That might be a veeeeeery scary book!“ kommentiert – will ich ja auch hoffen, denn irgendwo muss ja der Reiz liegen, ein Kinderbuch mit Wörterbuch bewaffnet durchzuarbeiten! Bei der Gelegenheit hatte ich gleich noch ein Bildwörterbuch mit ausgeliehen, was tatsächlich manchmal ziemlich hilfreich sein kann.

Da ich gerade immer noch Alleine-Zeit genieße, werde ich mich jetzt mal an das erste Kapitel, naja… seien wir realistisch, an die erste Seite meines Geisterbuches machen. Draußen schneit es jetzt übrigens richtig dolle und in den nächsten Tagen sollen bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fallen ❤