Kurz nach meinem Umzug nach Helsinki, also so circa Anfang Juni, bereitete sich Finnland langsam, aber stetig und bemerkbar auf die Sommerpause vor. Damit meine ich nicht nur die Sommerferien der Schulkinder und der Kindergartenkinder, sondern das gesamte Land steht quasi für gut zwei Monate komplett still. Die Arbeit in Unternehmen und Behörden wird auf ein Minimum reduziert und schreibt man als Neuhinzugezogene im Übermut doch einmal eine Nachricht, weil man vergessen hat, dass Sommer in Finnland Stillstand bedeutet, bekommt man lediglich die üblichen automatischen Antwortmeldungen a la „Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin ab September wieder in meinem Büro.“

Gut, dass mein <3-Finne ein wenig vorgesorgt und sich für gute vier Wochen ab Mitte Juli Urlaub genommen hatte. Die Finnen, habe ich festgestellt, lieben ihr Land sehr und sind auch sehr stolz auf alles, was damit zusammenhängt. Nicht so, was das Wetter betrifft. Es wird grundsätzlich über zu wenig Sonne, zu wenig Wärme und zu viel Wind geklagt, so lange, bis die Temperaturen über +25 Grad steigen. Dann beginnen die sogenannten „hellepäivät“ und man hört ab dann große Klagen über fehlende Klimaanlagen in Büros und Autos und die wirklich unerträgliche Hitze 🙂 (Nicht, dass Finnen mehrmals pro Woche in einen Raum gehen, wo an die 100 Grad herrschen, aber das ist ja gaaaaanz was anderes… 😉 ) Klingt verrückt? Ist es auch und vor allem finde ich es sehr lustig!

Ich hätte es nach dem ganzen Umzug ja nicht allzu schlecht gefunden, den Sommer in meiner neuen Heimat zu verbringen. Aber ich liebe es auch zu reisen. So stand die Entscheidung schnell fest, dass wir irgendwo hinfahren werden (vor allem, da der Sommer in Finnland…naja, ihr wisst ja!). Mit dem Buchen waren wir daher wirklich sehr spät dran und die Rundreise durch das östliche Europa startete, wie so häufig bei uns, als eine recht spontane Idee, insbesondere, da die Flüge von Helsinki nach Prag für uns beide zusammen unter 100 Euro kosteten – wenn das mal kein Schnäppchen war! Für mich als Russland-Historikerin und Liebhaberin von allem, was mit dem Osten zu tun hat, begann damit natürlich der perfekte Urlaub und mein armer <3-Finne musste sich stundenlang anhören, was wir uns alles anschauen werden 🙂

Expeditionen in die Welt: Unsere Tour

Wir planten also, zunächst nach Prag zu fliegen, dort ein paar Nächte zu bleiben, dann weiter nach Bratislava zu fahren. Sowohl für meinen <3-Finnen als auch für mich war Bratislava unbekanntes Terrain. Während die Ankunft am Bahnhof und die Fahrt zum Hotel den Eindruck vermittelten, dass die Zeit irgendwo zwischen Prager Frühling und den 1990er Jahren stehen geblieben war, wurden wir allerspätestens bei dem Betreten der Altstadt eines Besseren belehrt. Bratislava ist ein echter Geheimtipp und ich kann es jedem eine Reise dorthin nur empfehlen. Es gibt lauter kleine Restaurants, Cafés und die Menschen sind wirklich herzlich und sehr hilfsbereit.

img_2227Von Bratislava aus ging es dann nach Budapest. Ehrlich gesagt hatte ich mir von der Stadt Einiges versprochen und wollte unbedingt dahin. Dadurch aber, dass wir eines der wirklich allerfürchterlichsten Hotels hatten, verlor die Stadt leider von Anfang an auf ganzer Linie. Für mich war das der erste Besuch in Ungarn und dementsprechend neugierig war ich vorher auch gewesen. Klar, jetzt im Nachhinein betrachtet, muss ich natürlich zugeben, dass Budapest an sich eine ziemlich tolle Stadt ist. Anders als mein <3-Finne, der sich zwar bemühte, aber dem Sightseeing wirklich nicht das meiste abgewinnen konnte, bin ich fleißig durch fast jede Stadt und so auch durch Budapest gesaust – manchmal muss man eben einfach Tourist sein 🙂 So habe ich tatsächlich viele schöne Stellen in Budapest gesehen und ja, der Ausblick vom Schloss war wirklich atemberaubend. Irgendwann werde ich der Stadt noch einmal eine Chance geben – nach Bratislava 😉

Unsere nächste Destination hieß dann Zagreb. Zu dem Zeitpunkt waren wir schon fast zwei Wochen unterwegs und dementsprechend ausgelaugt. Komfortabel hatten wir uns, da die Zug- und Busverbindungen zwischen Budapest und Zagreb mehr als bescheiden waren, für ein privates Taxiunternehmen entschieden. War ich zunächst skeptisch, was das wirklich preisgünstige Angebot anbelangte, musste ich meine Meinung schnell revidieren. Wir wurde wortwörtlich direkt vor der Tür unseres höchst unangenehmen Hotels abgeholt und direkt vor die Tür unserer privaten Unterkunft in Zagreb gefahren. Auf dem Weg machten wir einen kurzen Zwischenstopp am Balaton, wovon ich, auch wenn ich es nicht gerne sage, auch recht enttäuscht war. Also nicht wegen des Sees an sich, sondern eher wegen der Umgebung. Die Stelle, wo uns unser Fahrer abgesetzt hatte, entsprach meiner Vorstellung eines typischen Ballermann-Mallora-Urlaubs… Budapest, dieses Mal hast du mich nicht überzeugt, leider. Aber ich werde wiederkommen und wir werden uns noch einmal neu kennen lernen – versprochen!

Expeditionen in die Welt: Auf nach Bayern

Zagreb war schön – glaube ich zumindest von dem bisschen, was ich gesehen habe. Zwei Nächte waren wir dort und stellten fest, dass Rundreisen nicht ganz Ohne sind, vor allem, wenn man hier und da (oder auch mal öfters) ein Bierchen trinkt – schließlich sind wir nicht mehr die Jüngsten. Zudem hatte das Budapest-Hotel so seine Spuren hinterlassen. Die zwei Zagreb-Tage verbrachten wir daher auch eher mit Ausruhen als mit Sightseeing.

Allerdings waren wir dafür sehr ausgeruht, als es dann mit dem ICE-Bus über die Grenze nach München ging. Mein <3-Finne war bisher noch nie in der bayerischen Landeshauptstadt gewesen. So ergriff ich natürlich umgehend die Gelegenheit für ein klitzekleines bisschen Sightseeing 😉 Doch auch für mich war der München-Besuch dieses Mal so vollkommen anders. Es war das erste Mal seit meinem Umzug nach Finnland, dass ich wieder in Deutschland war. Alles ist einem so vertraut und gleichzeitig doch so fremd, weil man die ganze Zeit im Hinterkopf hat: „Ich lebe jetzt offiziell in Helsinki.“ Das Auswandern macht also doch etwas mit einem. Zumindest mich machte es für einen Moment schon etwas wehmütig, denn alles erschien so einfach, unkompliziert und eben vertraut: Man muss sich nicht anstrengen, um Leute zu verstehen, denn um einen herum sprechen alle Deutsch; Geschäfte und deren Produkte sind einem bekannt und meine Güte, die Preise im Supermarkt sind wie im Paradies 🙂 Ich finde es wirklich faszinierend, dass ich mittlerweile denke: „Hmmm, 5 Euro für ein Kilo Tomaten geht aber“, während man in Deutschland vielleicht gerade einmal einen Euro dafür bezahlen würde. Übrigens, ein sehr einprägsames Beispiel bezüglich der Preisunterschiede zwischen Deutschland und Finnland ist dieser eine Blutorgangensaft bei Lidl, den es in Deutschland für ca. 80 Cent gibt. Im finnischen Lidl kostet der sage und schreibe 2,79 Euro! Ich habe mir, zumindest solange ich noch kein finnisches Gehalt bekomme, abgewöhnt, diesen Saft zu kaufen – irgendwo muss einfach mal Schluss sein, basta! 😉

img_2341Das sind also so die Gedanken, wenn man als Gast in dem Land ist, in dem man vorher 30 Jahre lang gewohnt hat und der Aufenthalt in München zeigte mir, dass ich mich bzw. meinen Blick auf Vieles doch verändert habe. München hat uns beiden gut gefallen. Besonders eindrucksvoll für meinen <3-Finnen waren dabei übrigens die Kinderspielplätze, die inmitten der Biergärten angelegt waren – „How convenient for the parents“ 🙂

Zurück ging es dann über Prag wieder nach Helsinki, nachdem wir unsere Sommerferien mit einem kleinen Ausflug zur berühmten Knochenkirche, etwas außerhalb von Prag, gekrönt hatten. Obwohl sehr klein, war dieses Fleckchen Erde doch schon ziemlich eindrucksvoll und ist definitiv einen Besuch wert.

Fazit? Ich liebe solche Rundreisen, auch wenn sie wahnsinnig anstrengend sind. Wir haben eine Menge gesehen und das war die Mühe mehr als wert! Hier gibt´s jetzt noch ein paar Fotos, die ich auf meinen Sightseeingtouren gemacht habe. Auch, wenn der Schein manchmal trügt: Wir hatten durchgehend an die 35 bis 37 Grad. Lediglich München bot mir als Wintermensch mit circa 25 Grad eine kleine Abkühlung.

Und los geht´s mit Prag:

Jetzt sind wir in Bratislava:

Von Bratislava fuhren wir nach Budapest:

Von Budapest ging es über Zagreb nach München:

Zum Schluss  hatten wir dann in Prag noch ein bisschen Zeit, um uns die Knochenkirche anzuschauen und auf Marionetten-Jagd zu gehen 😉