Das Jahr 2016 neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu und darüber bin ich ehrlich gesagt sehr froh. Nicht, dass das vergangene Jahr für mich ein schlechtes war. Es war nur derartig turbulent, emotional, stressig und mit so vielen Veränderungen verbunden, dass ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Ich bin unendlich erschöpft und meine Reserven sind aufgebraucht.

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Nicole Frenken und Susanne Pillokat-Tangen sind die Köpfe von „Mein bestes Jahr“. Foto: Bereitgestellt von Susanne Pillokat-Tangen.

2017? Keine Ahnung, was dann sein wird. 2016? Wo ist das Jahr geblieben?! Schon vor einiger Zeit hatte ich erkannt, dass ich das dringende Bedürfnis verspürte, mich endlich einmal in Ruhe hinzusetzen und zu schauen: Wo stehe ich gerade eigentlich? Was will ich? Was habe ich erreicht und wie soll meine nahe Zukunft aussehen? In all diesen Gedanken und Überlegungen stieß ich vor einiger Zeit durch Zufall auf die Blogparade „Mein bestes Jahr 2017“, die auf zwei Büchern, das „Life&Work Book“ und das „Businessbook für selbstständige Frauen“ basiert. Wer dahinter steckt? Das sind Texterin, Vorleserin und Moderatorin Nicole Frenken und Businessmentorin und Jahresplanungsexpertin Susanne Pillokat-Tangen (hier geht´s zur Homepage). Ich überlegte nicht lange. Vielleicht halfen mir die Blogparade und das „Life&Work Book“, das ich im Rahmen dieses Blogger-Events testen durfte, um wieder ein bisschen mehr zu mir selbst zu finden, denn „im Aufschreiben von Träumen, Hoffnungen und Wünschen liegt eine große magische Macht“ (Life&Work Book, S. 5).

Mein bestes Jahr: Rückblick und Sternstunden

Ich kann mich gut an meine Studienzeit erinnern, als meine Zukunft glasklar vor mir lag. Ich hatte einen Plan vom Leben, wusste, was ich wollte und wie die nächsten Monate aussehen würden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, wann es begonnen hat, dass ich diese Klarheit nicht mehr hatte und bisher auch nicht mehr wiederfinden konnte. Vielleicht war es das Jahr 2009, als ich die sichere Welt der Universität mit dem unsicheren wissenschaftlichen und Arbeitsleben eintauschte. Halbjahresverträge, Einjahresstipendien, unterbezahlte oder gar nicht bezahlte Neben- und Halbtagsjobs, mein-bestes-jahr-2017-lifework-book-coverständige Geldsorgen und das Gefühl, trotz einer hervorragenden Ausbildung, in die ich wirklich mein Herzblut gesteckt hatte, für den Arbeitsmarkt nicht gut genug zu sein. Das alles war begleitet von mehreren Umzügen, Weiterbildungen und Erfahrungen mit dem Arbeitsamt. Freunde sind aus meinem Leben verschwunden, flüchtige Bekannte hinzugekommen. Lange habe ich es nie wirklich an einem Ort ausgehalten. Irgendwann hatte ich immer das Gefühl, ich müsse raus aus allem, vor den Sorgen und Ängsten flüchten, neue Dinge erleben. Dann bin ich gereist: nach Russland, Kroatien, Irland, in die USA, Finnland… oder ich bin umgezogen: von Marburg nach Bonn, nach Bochum, nach Helsinki. So anstrengend die Umzüge waren, so sehr liebte ich sie, denn sie versprachen etwas Neues, etwas Aufregendes und vielleicht auch ein bisschen Schutz davor, sich irgendwo zu sehr einzugewöhnen, denn so unsicher, wie meine ganze Zukunft war, wollte ich mich vor allem emotional nirgendwo festlegen. Ich hasse Abschiede!

Das funktionierte eine Weile recht gut und ich würde lügen, wenn ich nicht sage, dass ich es nicht auch genossen habe – all die Freiheit, neue Erfahrungen…Doch ich wurde älter, die Zukunft blieb unsicher und viele andere in meinem Alter konnten bereits Familie, Nachwuchs und einen echten Lebensmittelpunkt vorweisen. Ich wusste, ich hatte eine Menge erlebt, ich war (und bin) stolz darauf und würde die Zeit niemals missen wollen. Aber ich erkannte: Ich will auch etwas Stabiles, ich will etwas Beständiges in meinem Leben haben. Ich möchte endlich ankommen. Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Tja, und dann… dass mein stabiler neuer Lebensmittelpunkt jetzt mein <3-Finne und Helsinki sind, hätte ich bis, naja, eigentlich Ende letzten Jahres nicht wirklich gedacht 🙂

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„Tervetuloa Helsinkiin“. Foto: Privat.

Damit bin ich jetzt also quasi angekommen bei meinem Rückblick 2016. Was, so fragt mich mein „Life&Work Book“ waren meine Sternstunden im vergangenen Jahr? Ganz klar: Da gibt es zum einen meinen großen Traum, den ich mir erfüllt hatte, als ich Anfang Mai dieses Jahres nach Finnland ausgewandert bin, mein zukünftiger (hoffentlich lange) stabiler Lebensmittelpunkt, der mir bereits nach kurzer Zeit ganz viel innere Ruhe geschenkt hat. Zum anderen habe ich gestern meine Doktorarbeit eingereicht – 423 Seiten voller Geschichtswissenschaft! Es ist ein Wahnsinnsgefühl, seine eigene Forschungsarbeit in den Händen halten und tatsächlich spüren zu können, die Buchstaben nicht nur am Laptop, sondern auf Papier gedruckt zu sehen… Allein diese zwei Ereignisse machen 2016 für mich zu einem guten und erfolgreichen Jahr! Ich habe viel über mich und meine Stärken (und Schwächen) gelernt. In vielen meiner Entscheidungen habe ich Mut bewiesen und die Bereitschaft, ein, wenn auch gut kalkuliertes Risiko einzugehen.

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Meine Forschungsarbeit! Foto: Privat

Ich habe gelernt, mir und meinen Entscheidungen zu vertrauen, habe mich gegen kritische Stimmen durchgesetzt und Grenzen gesetzt (es könnte manchmal mehr sein, aber immerhin… 😉 ). Lange habe ich überlegt, in welchem Moment in 2016 ich mich lebendig gefühlt habe und je länger ich darüber nachdenke, umso mehr denke ich, dass es die Zeit während der Fährüberfahrt von Travemünde nach Helsinki war. Im wahrsten Sinne des Wortes fuhr ich meiner Zukunft entgegen, während meine Vergangenheit hinter mir immer kleiner und kleiner wurde.

2016 war ein anstrengendes Jahr. Seit einigen Wochen habe ich das Gefühl, mein Kopf sei in Watte gepackt, Dinge um mich herum geschehen, aber ich bin einfach zu erschöpft, um mich in irgendeiner Weise überhaupt daran zu beteiligen. Dennoch bin ich sehr froh und glücklich, all diese Veränderungen und Entwicklungen nicht nur mitgemacht, sondern angestoßen zu haben und ich weiß, dass mir das vergangene Jahr in guter Erinnerung bleiben wird, weil ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder das Gefühl hatte, etwas kontrollieren und entscheiden zu können. Ich hatte für 2016 konkrete Ziele und habe sie erreicht. Das ist ein gutes Gefühl und macht Lust auf 2017.

Mein bestes Jahr: Wo stehe ich und wo will ich hin?

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Hier gibt´s noch viel Raum für Verbesserungen. Foto: Privat.

Wo, stelle ich mir die Frage, stehe ich also jetzt? Denn im Grunde bin ich entwurzelt: Ich habe nicht nur Deutschland und alles Vertraute verlassen, sondern auch das Projekt beendet, was mich die letzten Jahre treu begleitet und mir neben wirklich chaotisch-stressigen Zeiten eine gewisse Sicherheit und Routine gab. Mein „Life&Work Book“ nennt das die Bestandsaufnahme. Ich war ehrlich gesagt ein wenig überrascht, nachdem ich diese Übung gemacht hatte. Vieles war mir klar, vor allem, was meine berufliche und *räusper* sportliche Situation angeht. Allerdings stellte sich auch heraus, dass ich Kontakte zu Freunden und lieben Menschen auf ein Minimum reduziert hatte. Das lag weniger an der Tatsache, dass ich umgezogen war, sondern vielmehr daran, dass ich entweder keine Zeit, keine Lust oder keine Energie gehabt hatte, auszugehen und mich mit den Menschen zu treffen, die ich mittlerweile in Finnland kenne und die trotz sporadischer Kontaktaufnahme zu guten und hilfsbereiten Freunden geworden sind. Das, so habe ich mir vorgenommen, wird sich 2017 definitiv ändern!  Überhaupt möchte ich, dass das neue Jahr ein Jahr wird, in dem das Leben nicht einfach nur an mir vorbeizieht. Ich will meine neue Heimat besser und bewusster kennen lernen, ich will meinen Finnischkurs fortsetzen und noch so viel mehr von der Welt sehen. Und beruflich? … Die Wissenschaft hat schon ihre Reize, warum also nicht?

Mein „Life&Work Book“ hatte ich sicherlich nicht das letzte Mal in der Hand. Es gibt noch viele tolle Aufgaben, die ich jetzt nach und nach angehen werde. Für euch habe ich dann bestimmt auch noch das ein oder andere Goody zum Downloaden, – Zukunftsplanung auf einem schön gestalteten Papier macht eh viel mehr Spaß 😉 Glaubt ihr nicht? Dann schaut doch einmal hier und hier.

Lasst euch unbedingt auch von meinen heutigen Mitbloggerinnen Andrea und Steffanie sowie von Danielas Beitrag morgen inspirieren, um aus eurem 2017 das Beste zu machen ❤

 

In diesem Sinne

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