Seit zwei Wochen bin ich gut beschäftigt und das ist ein tolles Gefühl. Erinnert ihr euch noch an mein mir gegebenes Versprechen, in diesem Jahr aktiver zu sein und mehr raus zu gehen? Bisher klappt das auch recht gut.

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Malmitalo in Malmi. Foto: Privat.

Montags habe ich jetzt immer von 12.30 Uhr bis 15 Uhr Finnisch-Konversationskurs. Das Ganze findet im Malmitalo statt, perfekt von unserer Wohnung aus zu erreichen. Der Kurs ist gar nicht mal so schlecht. Für 31 Euro für insgesamt 36 Stunden war ich zuerst etwas skeptisch, was mich erwarten wird. Wir sind ungefähr 20 Leute (wovon elf Ludmilla heißen – also wirklich und in echt. Das war schon lustig bei der Vorstellungsrunde 🙂 ). In kleinen Gruppen reden wir über verschiedene Themen und stellen unsere Ergebnisse dann später in der großen Runde vor. Schon jetzt merke ich, dass meine Barriere, Finnisch anzuwenden, ein wenig kleiner geworden ist. „Bevor du Finnisch lernst, musst du schlechtes Finnisch sprechen“ – das war der erste Satz meiner Lehrerin. Sympathisch, oder? Eines allerdings verwundert mich immer: Egal, in welchem Sprachkurs ich bin, – die meisten Anfängerkurse werden von Leuten besucht, die schon mindestens fünf Jahre oder länger in Finnland wohnen. Ok, Finnisch ist vielleicht nicht die einfachste Sprache der Welt. Ich verstehe auch, wenn jemand nicht der Sprachlernheld ist oder man mit anderen Dingen des Lebens gut beschäftigt ist, sodass das Sprachenlernen erst einmal hinten angestellt wird. Schließlich überlebt man in Finnland mit Englisch ohne Probleme. Aber fünf oder sieben oder sogar zehn Jahre in einem Land zu leben, das ja irgendwie zur Heimat wird, ohne den Wunsch zu verspüren, doch einmal im Supermarkt auf Finnisch nach Produkten zu fragen oder nicht immer sagen zu müssen „Sorry, I don´t speak Finnish. Can you repeat it in English, please?“ – das wäre mir auf die Dauer nichts.

Alltag in Finnland: It´s all about the language

So bin ich in den Kursen also meist „die Jüngste“ und muss damit leben, dass der Vokabelschatz der anderen oft (und bei fünf Jahren in diesem Land verständlicherweise) sehr viel größer als meiner ist. An manchen Tagen nervt das extrem, weil ich dann da sitze und nur Bahnhof verstehe. An den meisten Tagen aber sehe ich es mittlerweile als Herausforderung im Sinne von „Was mich nicht umbringt, macht mich härter“ – ich kann ja von dem Wissen der anderen eigentlich nur profitieren, insbesondere wenn es Anfängerkurse sind und man keine Angst haben muss, sich zu blamieren 😉 Und ganz ehrlich? Manchmal macht es mich schon ein bisschen stolz, wenn ich mich hinterher noch mit Mitstudenten austausche und die bei meiner Aussage, ich sei ja schon ein halbes Jahr hier, erklären: „Was? Erst ein halbes Jahr? Du sprichst doch schon super!“ Jaja, so unterschiedlich können die Perspektiven sein 🙂

Dienstagsmorgens habe ich seit diesem Jahr meine Deutschstudenten bei BMW. Das macht mittlerweile richtig Spaß und ich finde so langsam meinen Weg des Unterrichtens. Erfahrungen im Sprachenlernen habe ich ja nun zur Genüge, von daher gibt´s bei mir auch nur die Übungen und Sprachlernstrategien, die ich selber mag (was blöde Kennenlernspiele definitiv auslässt 😉 ). Hatte ich anfangs immer sehr viel mehr Übungen eingeplant, die sich in der Praxis dann als schwieriger als erwartet für meine Studenten herausgestellt hatten, sehe ich das Ganze mittlerweile recht entspannt. Unterrichten kann wirklich Spaß machen – hätte ich ja nicht gedacht (weswegen ich ja auch nie Lehrerin werden wollte 😉 ). Hier übrigens ein paar Impressionen von meiner Arbeitsstelle in Vantaa (Fotos: Privat):

Mit Beginn des neuen Jahres gibt es in unserer örtlichen Bibliothek im Maunulatalo auch wieder ein wöchentliches Sprachcafé (kielikahvila). Das findet immer Mittwochsabends statt. Vorletzte Woche war ich das erste Mal da und was soll ich sagen? Ich habe auf Finnisch über die Unterschiede des Steuersystems in Finnland und Deutschland geradebrecht, versucht, den anderen klar zu machen, dass Deutschland zwar ein reicher Industriestaat ist, es aber mit den finanziellen Mitteln in den Städten auch nicht weit her ist und dass das mit der Beschäftigungsquote auch nicht alles so einfach ist wie es auf den ersten Blick erscheint. Herrje, war ich platt nach diesen zwei Stunden! Einfachste Sätze können da zur echten Herausforderung werden, aber ihr wisst ja, was einen nicht umbringt… und so weiter 🙂 Ich kämpfe mich durch, tschakaaa!

Alltag in Finnland: Ein erstes kleines Netzwerk

Der Donnerstag ist mittlerweile zu meinem Unitag geworden, denn Netzwerke entstehen ja nicht, wenn man zu Hause auf dem Sofa E-Mails schreibt. Man muss rausgehen. Sehen und gesehen werden ist die Devise. Das Aleksanteri-Institut ist dabei eine riesen Hilfe. Dort finden regelmäßig Vorträge auf Englisch statt und die Wissenschaftler sind alle Russland- und Osteuropaspezialisten. Bei dem letzten Vortrag habe ich mich aktiv an der Diskussion beteiligt und eine Frage auf Englisch gestellt *stolz sei*. Ja, so langsam wird es. In der kommenden Woche habe ich sogar eine Essenseinladung mit einer Wissenschaftlerin bekommen. Allerdings weiß ich immer noch nicht, ob ich wirklich weiter in die Forschung gehen will oder ob es doch ein ‚richtiger‘ Job sein soll und wenn ja, was genau. Alle Optionen zu haben ist auch nicht immer gut. Mein Ziel für 2017? Eine sichere berufliche (und finanzielle) Zukunft! Schauen wir mal, wie es klappt 🙂

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Was für ein toller Plan. Foto: Fredericka Neal/www.facebook.com

Last, but not least der Sport! Jaja, ich bin so eine, die sich mit dem 1. Januar im Fitnessstudio anmeldet 🙂 Zu meiner Verteidigung: Ich war seit Jahresbeginn auch schon mehrmals dort. Mein Ziel? Ich will auf mindestens zweimal Sport die Woche kommen. Mittwochs und Freitags böten sich da so ziemlich perfekt an. Wenn ich ganz diszipliniert bin, könnte ich es sogar Montagmorgens vor dem Sprachkurs schaffen, denn das Fitnessstudio (eine Kette namens Fitness24seven) hat auch eine Filiale im Malmitalo. So! Machen Ausreden da noch Sinn? Eigentlich nicht, aber ich kenne mich. Im Moment bin ich zwar noch motiviert, das wird sich aber spätestens in vielleicht einem oder zwei Monaten ändern. Dann kommt dies, dann kommt das und bäm, „Sport kann ich ja auch morgen machen“ – kennt man, woll? Am Ball bleiben ist für mich also oberste Priorität, denn ich merke ja, wie gut es mir tut (oder werde es merken, wenn dieser fürchterliche Muskelkater verschwunden ist).

Eine erste Bilanz? Ich bin viel aktiver als noch vor ein paar Wochen und ich versuche, mindestens einmal am Tag das Haus zu verlassen. Die Erschöpfung der letzen Monate fällt so langsam von mir ab und ich nehme wieder aktiver am Leben teil. Allerdings schlafe ich momentan sehr schlecht, bin aber auch tagsüber nicht wirklich müde. Es fühlt sich an, als würde ich ständig unter Strom stehen. In der Analyse mit meinem <3-Finnen entwickelten wir die Theorie, dass der Grund dafür in den ganzen Veränderungen der letzen Monate liegt. Das Ende der Doktorarbeit, Auswandern, neue Umgebung, neue Wohnung, anderer Alltag, als Paar zusammenleben – vielleicht verarbeitet mein Unterbewusstsein gerade ganz viel, wer weiß das schon? Sport ist da übrigens eine ganz tolle Sache, denn wenn auch der Geist nicht ermüdet, so doch irgendwann der Körper und dann kommt auch der regelmäßige und gute Schlaf zurück.

In dem Sinne – ich werde dann jetzt mal zum Sport aufbrechen 🙂