Seit dem neuen Jahr plätschert das Leben hier so vor sich hin. Zwischen Arbeit, Finnischlernen und Wohnung ordentlich halten schaffen wir nicht allzu viel, wobei das Wetter (sogar für mich als Winterliebhaberin) sein Übriges dazu gibt und einfach nur usselig ist. Draußen schimmert es in „50 shades of Grey“ *sorry, das konnte ich mir nicht verkneifen* und die Straßen sind eher vereist als schön schneebedeckt. Man muss aufpassen, nicht zu übermütig zu werden, denn überall lauert die Gefahr, auszurutschen und sich ein Bein zu brechen (oder Schlimmeres!!). Unter der Wolldecke auf dem Sofa ist es dann doch weniger gefährlich 😉

…und so plätscherte das Leben so vor sich hin, als vor einigen Tagen dann der Postbote mit einem Brief von Kela kam! Kela – die nationale Sozialversicherungsinstitution, die für Rente, Kindergeld (und diese mega-süßen Babyboxen), im Krankheitsfall und für alle anderen sozialen Belange aufkommt und somit so ungefähr eines der unüberwindbarsten Hürden darstellt, wenn man als Auswanderer nach Finnland kommt – es sei denn, man hat einen finnischen Arbeitgeber oder ist Entsandter mit entsprechendem Formular „A 1“. Der Brief war schwerer als gewöhnlich und da ich vor einiger Zeit einen Antrag auf Aufnahme in Kela gestellt hatte, jedoch weder entsandt, noch einen finnischen Arbeitgeber vorweisen konnte, ahnte erst einmal nichts Gutes. Zumal mir der Kela-Mitarbeiter meines Vertrauens eröffnete, dass er „noch nie von jemandem gehört habe, der nach Finnland gekommen sei, aber in einem anderen EU-Staat, sprich Deutschland, seinen Arbeitgeber habe.“ Well, well… so viel dazu! 🙂 (Erst bei Into Finland, einem Joint von Kela und der Steuerbehörde Vero, wurde mir ernsthaft geholfen. Hier gibt´s eine 100 %-tige Weiterempfehlung meinerseits!).

Wie dem auch sei – zurück zu meinem Kela-Brief. Ich öffnete ihn… und musste zweimal blinzeln, bis ich es tatsächlich glaubte: Ich hielt den heiligen Gral der finnischen Gesellschaft, meine ganz eigene und mit meiner Sozialversicherungsnummer versehene Kela-Karte in den Händen! Ich vermutete natürlich zunächst eine Verschwörung, mindestens jedoch einen Fehler von Kela, die mir noch ein paar Tage zuvor in einem Brief wenig Hoffnung auf die Karte gemacht hatten. Mein <3-Finne jedoch bestätigte mir die Rechtmäßigkeit (die erklärenden Briefe waren in Finnisch) und meinte dann, wenn ich wollte, könne ich gegen diese Entscheidung Klage einreichen…. Wir haben beide erst einmal laut gelacht! 😀

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Foto: http://www.iltalehti.fi

Ich gehöre jetzt also 100 %-tig zur finnischen Gesellschaft, bekomme alle Boni und Sozialleistungen, habe das Recht, Wohnungsgeld und Arbeitslosengeld zu bekommen, ärztliche (private) Leistungen anteilsmäßig abzurechnen und noch vieles mehr. Zudem kann ich jetzt auch, wenn ich möchte, eine zusätzliche private Unfallversicherung abschließen (so etwas kann man nämlich nur beantragen, wenn man Teil von Kela ist; ansonsten heißt es nämlich: Hallo, überteuerte internationale Privatversicherungen), was angesichts der eisigen Straßen draußen gar keine so schlechte Idee wäre… Trotz der ausdrücklichen Worte meines <3-Finnen, Kela könne mir die Karte nie wieder wegnehmen, hatte ich in der kommenden Nacht wirre Träume von finnischen Kelamitarbeitern, die vor unserer Haustür stehen und erklären, dass sie mir die Karte aus Versehen zugeschickt haben und/oder ich irgendwann beim Arzt bin und die Karte gar nicht funktioniert… Ich weiß, ich habe manchmal komische Gedanken 🙂

Es hat also ein gutes halbes Jahr gedauert, bis ich offiziell in meiner neuen Heimat Fuß gefasst habe. Halleluja, ich sehe Licht am Ende des administrativen Tunnels 🙂