Nach langer, langer Zeit wage ich mich endlich an das wohl schwierigste und komplexeste Thema der Auswanderung – Arbeit, Versicherung und EU-Recht. Lange war ich so froh, dass ich das alles geregelt hatte, dass ich von dem Thema erst einmal nichts mehr wissen wollte. Meine Erfahrung?

  1. EU heißt nicht, dass Dinge einfacher werden.
  2. Viele Dinge können nicht vor der Auswanderung geklärt werden. Also, nur Mut, auch wenn es ein Schritt ins Ungewisse sein mag – alles klärt sich spätestens vor Ort  und dann von (naja fast) ganz alleine.
  3. An manchen Tagen hätte ich es einfacher gefunden, ohne Job auszuwandern 🙂

Ich bin ausgewandert, in der glücklichen Situation, meinen Halbtagsjob mitnehmen und von Finnland aus im Home-Office für Deutschland arbeiten zu können. Abgesehen von den Tagen, an dem ich meinen Status als EU-Arbeitnehmerin verflucht habe, sehe ich eine Auswanderung mit dieser Kombination schon als sehr komfortabel an. Man hat eben die Sicherheit, pro Monat Geld zu haben und vor Ort in Ruhe ankommen zu können. Allerdings gibt es so einige Hürden, die ich nehmen musste und die mir vorher so nicht bewusst waren. Ich dachte: EU = fast gleiches Recht wie überall = ich habe keine Probleme, in das finnische Sozialversicherungssystem zu rutschen, denn ich bezahle hier ja Steuern, ich habe eine Arbeitserlaubnis und wenn Deutschland mich nicht mehr versichern kann, muss es eben Finnland tun, denn ich wohne ja jetzt hier – richtig? Nun ja… nicht ganz 🙂

Auswandern nach Finnland: Formulare, Kela und die EU

Was war das Problem? Ich bin aus freien Stücken ausgewandert, besaß damit weder das Formular A1, noch den Status als Grenzgängerin. So standen sich meine deutsche Krankenkasse und das finnische Sozialversicherungssystem einander gegenüber, mit mir mittendrin. Die deutsche Krankenkasse konnte mich nicht mehr als Versicherte führen (was ja klar war, nachdem ich offiziell nicht mehr in Deutschland ansässig war), gleichzeitig aber erklärte Kela mir, dass sie mich ohne Formular A1 nicht versichern können bzw. ich dem finnischen Staat mit meinem Job in Deutschland nichts bringe. Das widersprach meiner Meinung nach dem EU-Recht, das einem jeden Arbeitgeber nicht nur Freizügigkeit, sondern auch die Aufnahme in das Sozialversicherungssystem eines EU-Landes versprach (ich sollte feststellen, dass jedes Land da so seine eigenen Auslegungen hat 😉 ).  Zudem wurde mein Einwand, dass ich ja hier in Finnland Steuern zahlen würde, zwar wohlwollend aufgenommen, allerdings beeinflusste das in keiner Weise meinen Status für Kela, denn Kela steht zwar offiziell mit der Steuerbehörde in Kontakt, operiert aber im Endeffekt doch nur so, wie sie es sich gerade so überlegt 🙂 Ich wurde nicht versichert. Punkt. In diesem Moment wäre ich vermutlich ohne Job besser dran gewesen, denn dann hätte ich mich an das Arbeitsamt wenden können und wäre auf diese Weise in das System gerutscht. Zumal ich Sprachkurse und Angebote zur Integration auf dem finnischen Arbeitsmarkt dazu bekommen hätte. Dieser Gedanke kam mir zu dem Zeitpunkt recht häufig, obwohl ich mehrheitlich definitiv der Ansicht bin, dass es immer besser ist, einen Job zu haben und in die Rentenkasse einzubezahlen als ohne Job da zu stehen, auch, wenn Letzteres erst einmal komplizierter ist und Recherche erfordert.

Auswandern nach Finnland: Private Versicherungen

Da stand ich also und wusste nicht, was ich tun sollte, zumal mein Arbeitgeber natürlich auch wissen wollte, wie es versicherungstechnisch nun weitergeht. Wie in Deutschland muss in Finnland der Arbeitgeber den Arbeitnehmer versichern. Doch wo das für einen nicht-finnischen Arbeitgeber geht, wie viel der Arbeitgeber zahlen muss und an wen ich mich wenden konnte, fand ich erst einmal nicht heraus. Auch ein Anruf bei der zentralen EU-Stelle für versicherungsrelevante Anfragen half nicht wirklich weiter. Man empfahl mir, mich selbstständig zu machen und mich dementsprechend dann privat zu versichern. Aber das wollte ich auf keinen Fall! Es musste auch anders gehen. Ich blieb also hartnäckig und durchforstete zig Foren nach Antworten. Irgendwann habe ich dann erfahren, dass es in Finnland auch private Versicherungen gibt, die in meinem Fall greifen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich war. Seitdem bin ich also offiziell über meinen deutschen Arbeitgeber in Finnland versichert, mit (fast) allem, was das Herz begehrt, vorrangig natürlich Rentenversicherung, Unfallversicherung und Arbeitslosenversicherung.

Hier gibt´s die entsprechenden Links für euch:

Unfallversicherung: Folksam (Der Service ist in Englisch, die Dokumente allerdings sind alle in Finnisch)

Rentenversicherung: Veritas  (Absolut netter und schneller Service in Englisch/Deutsch; Zusammenarbeit mit Folksam – sehr empfehlenswert)

Arbeitslosenversicherung: TVR (Sehr netter und umfassender Service in Englisch)

Mit dem neuen Jahr 2017 bin ich übrigens zusätzlich auch bei Kela Mitglied. Somit ist jetzt alles abgedeckt, was ich an Versicherungen haben kann. Bis heute weiß ich nicht, warum mich das finnische Sozialversicherungssystem erst abgelehnt und dann doch aufgenommen hat. Aber, so habe ich schon gelernt, stellt man keine Fragen, wenn es um Kela geht 🙂 Übrigens, falls ihr schon mit einem Job in der Tasche nach Finnland kommt, geht alles ganz einfach. Ihr legt den Arbeitsvertrag bei Kela vor und bekommt nach dem Ausfüllen des Antrags eure eigene Kela-Karte. Private Versicherungen sind dann nicht notwendig!

Ihr habt Fragen? Kontaktiert mich gerne und ich versuche, euch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen 🙂