Hatte ich schon erwähnt, wie unglaublich happy ich bin, dass der Sommer um ist? 🙂 Das Leben geht wieder los und ich habe so langsam wieder richtig etwas zu tun! Ein tolles Gefühl.

So verschlug es mich gestern dann auch – zum ersten Mal – zur Messehalle in Helsinki. Die finnische Sprachschule, für die ich hier in Helsinki arbeite, war auf der Esimies & Henkilösto 2017 vertreten und da habe ich direkt zugesagt, zu helfen (auch, weil die Arbeitszeit vergütet wurde, natürlich 😉 ). Um was ging es genau? Hier ein zusammenfassendes Zitat (Quelle):

Esimies & Henkilöstö 2017 is a great meeting place for everyone who works with and developes staff – come and meet the right leaders, decision makers, buyers and suppliers together for two effective days.

Meet face to face, find new products and services and get inspired by the seminar program.
Esimies & Henkilöstö  is organised together in the same hall with Meetings & Events 2017.
These two trade shows create great synergy benefits and form a must attend event for the industry’s decision makers and buyers.

Mein Einsatz war von 10-13 Uhr und ich muss sagen, nach der ersten Schüchternheit („Kann ich Leute einfach so auf Englisch anquatschen, wenn wir doch in Finnland sind und die Leute nun einmal Finnisch reden?“) lief es wirklich gut und ich kam mit einigen Leuten ins Gespräch, übrigens: sogar auf Deutsch ❤ Ich liebe diese Art von „Arbeit“: Den ganzen Tag Menschen beobachten, angesprochen werden, Menschen ansprechen und kennen lernen – sowas könnte ich stundenlang machen!

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Als ich noch in Deutschland lebte, war ich auf einigen Messen, als Besucher und ein oder zweimal auch als Teil eines Ausstellerteams. Im Vergleich ist mir gestern direkt Folgendes aufgefallen: Überall gibt es Menschen, die nur auf Messen gehen, um kostenlose Stifte, Schokolade und Schreibblöcke zu bekommen 😀 Blöd nur, wenn so wenig los ist, dass man sich das Gesicht des „Diebes“ irgendwann merkt und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreift: Hand auf die Schokobox, Stifte ein wenig zur Seite schieben, sich vor die „Goodies“ stellen und erst einmal in ein Gespräch verwickeln… Dementsprechende Instruktionen bekam ich dann gestern auch, unter anderem mit dem Hinweis auf einen weißhaarigen älteren Herrn mit riesiger Umhängetasche, der sich im Gespräch am Vortag bereits als „sowjetischer Wissenschaftler“ vorgestellt hatte und allein während meiner Arbeitszeit bestimmt zehn Mal an unserem Stand vorbei schlich und verdächtig guckte 🙂

Für „Diebe“ ist die finnische Variante einer Messe natürlich von großem Nachteil und anstrengender als deutsche Messen, wo man sich, zumindest meiner Erfahrung nach, durch die Gänge schiebt und in Anonymität versinkt. Da fällt es kaum jemandem auf, wenn einer drei-, vier- oder gar fünfmal an einem Stand vorbeikommt und etwas „mitgehen“ lässt. Für alle anderen allerdings bergen wenig besuchte Messen wie die gestrige ein riesiges Potential an Netzwerkbildung, wobei ich weit weniger daraus gemacht habe, als ich es hätte tun sollen. Man kann sich tatsächlich mit den Ausstellern unterhalten, man wird tatsächlich angesprochen und aktiv in Gespräche mit einbezogen. An dieser Stelle hätte ich Businesskarten mit meinen Kontaktdaten zur Hand haben und zudem hätte ich strukturierter an die Gespräche herangehen sollen – aber: Übung macht ja bekanntlich den Meister 🙂 Immerhin habe ich Gespräche geführt, eine finnische HR-Zeitung, ein Hotel- und Catering-Angebot in Mikkeli und eine kostenlose Nackenmassage erhalten! Man soll ja nicht gierig werden 😀

Ohh, eine Sache noch: Ich bin ja ein riesiger Fan der finnisch-technischen Ideen und Apps 🙂 Sie machen das Leben sooooo viel leichter! So auch gestern: Fast jeder hatte am Eingang ein Namensschild mit einem mit seinen Kontaktdaten versehenen Code erhalten. Ging man nun zu einem Stand seiner Wahl, konnte man sein Namensschild vor einen kleinen Sensor halten. Automatisch wurden die Kontaktdaten dann übermittelt und gespeichert. Nach der Messe bekommt der Aussteller die unter seinem Namen abgegebenen Kontaktdaten zugesandt und kann entsprechend damit verfahren. Ich bin mir nicht sicher, ob sowas in Deutschland a) existiert und b) aufgrund der deutschen Datenrechtsbestimmungen überhaupt rechtens wäre 🙂 Ich meine, immerhin diskutiert Deutschland immer noch, so weit ich informiert bin, über das pin- und kontaktlose Zahlen per EC-Karte, was hier Gang und Gäbe ist…

Abends war ich dann noch bei meinem Finnischkurs, der richtig Spaß macht und ich bin auch nicht mehr die einzige Deutsche dort 🙂 Seit gestern ist auch ein Stefan anwesend, der schon seit über zehn Jahen in Finnland wohnt. Der deutsche Akzent beim Englisch sprechen hat ihn verraten 😉

Ich glaube, gestern war ein guter Tag und mal ganz abgesehen von all der Jobsuche, von befristeten Arbeitsverträgen, den Schwierigkeiten eines Freiberuflers…. Eine Freundin schrieb mir gestern: „Anna, egal was ist und was wird: Du hast einen ganz tollen Mann und eine ganz tolle Familie, die die umgibt und das ist es, was am Ende wirklich zählt!“  Da kann ich nur sagen: Sanoopa muuta! (You are damn right there!) ❤