Inspiriert und motiviert durch einen interessierten Kommentator auf meinem Blog wollte ich doch einmal ein kleines Update geben, wie es mir so geht – speziell mit der finnischen Sprache.

Ich muss gestehen, ich habe mich lange Zeit wirklich ausgepowert und, gerade was das Finnische betrifft, frustriert und entmutigt gefühlt. Warum soll ich die Sprache lernen, wenn ich mit Englisch doch eigentlich gut zurecht komme? Zudem bewegte ich mich viel in internationalen Zirkeln mit Immigranten und Deutschen und nahm bewusst an Workshops teil, die beispielsweise Informationen über den Jobmarkt gezielt auf Englisch präsentierten. Für einen Moment hegte ich den Gedanken, mich in der finnischen Start-Up-Szene niederzulassen, da Internationalisierung und die Rektrutierung ausländischer Absolventen mit hohem Bildungsabschluss dort gefördert und gewünscht wird. (Wer sich in diesem Feld wohl fühlt, dem sei die Jobsuche in diesem Bereich sehr ans Herz gelegt!).

Ich glaube, es war im September letzten Jahres, als ich durch Zufall an einem Workshop im NGO-Bereich teilnahm. Die Ankündigung war auf Englisch, der eigentliche Flyer allerdings auf Finnisch. Was soll’s, dachte ich mir, und schrieb den Veranstaltern, dass ich Grundkenntnisse im Finnischen hätte, diesen Workshop aber gern besuchen würde. Kein Problem, versprachen sie mir, die Workshop-Leiterin wird ganz einfaches Finnisch sprechen (ich musste etwas lachen – einfaches Finnisch???) und es seien Teilnehmer dabei, die mir helfen würden…

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich überlistete mich in diesem Moment wohl selber und zwang mich, an der Veranstaltung teilzunehmen. Ich kann mir nur immer wieder selber auf die Schulter klopfen (das muss ich an dieser Stelle einfach mal erwähnen 😁), dass ich an einem Morgen in September den Weg nach Itäkeskus (finn. Ostzentrum) gefunden habe. Seitdem geht es in rasendem Galopp voran in meinem Leben. Habe ich mich vorher über zuviel Freizeit beschwert, bin ich jetzt häufig quais nur für ein paar Stunden Schlaf zu Hause und mein Netzwerk umfasst mittlerweile eine beachtliche Anzahl an finnischen und multikulturellen Bekannten. Aber mehr dazu unter Alltag in Finnland: Oppisopimus-harjoittelija

Zurück zur finnischen Sprache: Vor kurzem habe ich einen Finnischtest gemacht. Ich stehe im Moment zwischen den Leveln A2.2. und B1.1. Ich verstehe sehr vieles auf Finnisch und innerhalb der letzten zwei bis drei Wochen habe ich einen riesigen Sprung mit dem Sprechen gemacht. Ich habe nicht nur meine Angst vor dem Sprechen abgelegt, sondern fange bereits an, das gesprochene Finnisch zu nutzen (z. B. Onko sinulla lapsia? (Buchsprache) <=> Onks sulla lapsia? (Gesprochenes Finnisch)). Das liegt vor allem an meinem derzeitigen Job, in dem ich meist Finnisch rede und der mit einer grundlegenden Ausbildung auf Finnisch im Bereich NGO gekoppelt ist. Oft passiert es mir bereits, dass ich auf Finnisch denke (was immer ein sehr gutes Zeichen ist, dass man in der Zielsprache langsam, aber sicher ankommt). Habe ich mir Anfang des Jahres noch vorgenommen, ein Wort pro Tag auf Finnisch neu zu lernen, sind es mittlerweile zwei oder drei Worte pro Tag, die ich höre und nicht wieder vergesse ☺️ Zugegeben: Heimlich atme ich doch immer auf, wenn plötzlich wegen irgendjemandem im Raum (nein, nicht mir!) doch Englisch gesprochen wird, – machen wir uns da nichts vor 😉 Aber mittlerweile fühle ich mich nicht mehr komplett ausgeliefert, wenn ich mich irgendwo in einer Gruppe von finnischen Menschen befinde.

Und wisst ihr, was am Ende des Tages sowieso am meisten zählt? Wenn ein Finne (oder eine Finnin) zu dir gesagt hat: „Vau! Upeasti kirjoitat/puhut suomea!“ („Wow, du schreibst/sprichst fabelhaft Finnisch!“).