Es ist Freitagabend und seit langer Zeit habe ich endlich ein wenig Freiraum, um die letzten turbulenten Wochen Revue passieren zu lassen.

Fangen wir mit der ersten guten Nachricht an: Ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben!!! Die zweite gute Nachricht lautet: Die Arbeit macht riesigen Spaß und ist zudem fast 100 %-tig das, was ich mir für mein Leben in Zukunft vorstelle.

Wie es zu all dem kam? Alles begann mit einem finnischen Workshop zu „Do you want to become a community organizer?“ Trotz geringer Finnischkenntnisse hatte ich mir im September 2017 ein Herz gefasst und an der Veranstaltung teilgenommen. Dann ging alles ganz schnell: Die Veranstalterin kam im Anschluss auf mich zu, wir quatschten ein wenig und sie bot mir eine Stelle als Praktikantin (harjoittelija) in der NGO (Nicht-Regierungsorganisation) an, in der sie arbeitet. Es war von Beginn an eine tolle Zeit und von heute auf morgen fand ich mich auf den unterschiedlichsten multikulturellen Veranstaltungen wieder. Zusammen mit einer anderen Praktikantin organisierten wir unter anderem das Training, an dem wir vorher selbst nur die Teilnehmer gewesen waren.

Nach einigen Wochen kam meine „Chefin“ dann auf mich zu und bot mir die Chance auf ein sogenanntes oppisopimus-Training. Ich würde hauptberuflich in der NGO meiner Chefin arbeiten und einmal im Monat an drei Tagen eine Ausbildung zum ‚Jugend- und Freizeittrainer’ machen. Das Ganze würde auf Finnisch sein und ich bekäme die Chance, mich im NGO-Bereich zu positionieren und ein eigenes professionelles Netzwerk aufzubauen.

Ich glaube, ich brauchte nicht mal eine Sekunde, um diesem Angebot begeistert zuzustimmen ☺️

Seit Ende Januar bin ich also nun Angestellte in der NGO Nicehearts Ry und drücke einmal im Monat für drei Tage die Schulbank. Während die ersten Tage in der Schule noch recht spannend waren, schwanke ich mittlerweile zwischen „gelangweilt sein“ (weil der Unterricht größtenteils auf Teilnehmer mit elementarer Schulbildung ausgerichtet ist) und „frustriert sein“ (weil ich für selbst einfachste Sätze im Finnischen einiges an Zeit brauche und viel weniger ausdrücken kann, als ich tatsächlich denke). Abgesehen davon ist die Arbeit in der NGO selbst aber absolut spannend. Ich sitze nicht nur acht Stunden im Büro rum, sondern düse von Espoo nach Vanta nach Helsinki und wieder zurück. Für‘s Mittagessen ist meist nur wenig Zeit übrig, was mich zu der Erkenntnis gelangen ließ, 1) dass man bei jedem Meeting alle Angebote an Essen und Getränken wahrnehmen sollte und dass ich 2) darüber nachdenken sollte, ob ich wirklich weiter für mein Fitnessstudio Geld zum Fenster rauszuschmeißen will, wenn ich doch im Moment nur unterwegs bin und so viel umher renne wie seit Monaten nicht mehr. Zudem lebe ich (abgesehen von den wirklich nur ganz vereinzelten Plätzchen, Kuchen- und Schokostücken *ich schwör‘, wirklich nur gaaaaanz vereinzelt*) insgesamt viel gesünder, da bei Meetings und Veranstaltungen manchmal eben einfach nur frisches Obst angeboten wird.

Was genau sind die Aufgaben, für die ich im Moment zuständig bin?

1. Wir schreiben im Moment an einem Web-Magazin, das eines der großen Projekte meiner NGO *Was das wohl sein mag? Die Spannung steigt… ☺️* vorstellen wird (Updates findet ihr hier, sobald das Magazin erschienen ist).

2. Zusammen mit meiner Kollegin leite ich eine internationale Mentoring-Gruppe, die speziell auf High Professionals und deren Jobsuche in Finnland ausgerichtet ist.

3. Ich repräsentiere meine NGO auf verschiedenen internationalen und nationalen Veranstaltungen und netzwerke, netzwerke, netzwerke.

4. Zusammen mit meiner Kollegin arbeite ich an dem Social Media- und Web-Auftritt der NGO.

5. Ich organisiere verschiedene Events und Veranstaltungen und werde zusammen mit meiner Chefin auch Trainings leiten und mitorganisieren.

Die nächsten Wochen und Monate werden aufregend werden und ich freue mich unglaublich auf das, was kommt! Endlich habe ich das Gefühl: Ich bin angekommen in Finnland ❤️