Lenkewitz, Anna: ‚The State as a Murderer‘: The Death Penalty and Just Authority in the Late Tsarist Empire, in: Death and Mortality. From Individual to Communal Perspectives. Vol. 19. Eds. Outi Hakola, Sara Heinämää and Sami Pihlström. COLLeeGIUM. Studies Across Disciplines In The Humanities And Social Science Helsinki.

In the backdrop of the debates on death penalty around the year 1905, this article contributes to a history of justice in turn-of-the-century-Russia. Justice in Russia always seems to be a matter of sovereignty: Acting on the assumption that justice is created by rulers in a particular historical context, it thus has become an institutionally top-down business, in which the subjects wait for the tsar’s milost’. Only the late tsarist empire can be described as an exception as there was a differentiation and de-personalisation concerning ideas of justice. This essay demonstrates that this shift, among other things, occurred as a result of the development of a public. By means of the debates on death penalty, this article highlights the evolvement of pluralized perceptions of justice, which were rooted more and more intra-societal. The image of a ‘just ruler’ regressed on behalf of versatile discourses on justice. Discussions on death penalty helps shed light on the communication and verbalization of structures of justice among an emerging public during the late tsarist empire as well as the ongoing loss of legitimacy of autocratic power. The essay thus situates this shift as well as the decline of the image of a ‘just authority’. Weiterlesen

___

Brewer, Aljona; Lenkewitz, Anna; Plaggenborg, Stefan (Hrsg.): „Gerechte Herrschaft im Russland der Neuzeit. Dokumente. München 2014.

„Gerechtigkeit bildet einen zentralen Grundsatz des gesellschaftlichen Lebens überhaupt und ist aus der moralischen Reflexion sowie aus der normativen Ge­staltung des menschlichen Zusammenlebens nicht wegzudenken.“ Mit dieser Fest­stellung begannen die Erläuterungen zur Relevanz und Problematik des Themas im Antrag des Forschungsprojekts „Kulturen der Gerechtigkeit. Norma­tive Diskurse im Transfer zwischen Westeuropa und Russland“. Was Gerechtig­keit sei und wie sie sich verwirklichen lasse, war schon immer ein gro­ßes Thema. Die Frage nach einem gerecht gestalteten menschlichen Zusam­men­leben und nach einer angemessenen Verteilung von Gütern und Lasten, Rech­ten und Pflichten in einer Gesellschaft ist uralt und wird dennoch immer wieder neu gestellt. Das Nachdenken über gerechte gesellschaftliche Verhält­nisse stößt dabei unweigerlich auf die Frage nach der Gerechtigkeit von Macht­verhältnissen und der Legitimation von Herrschaft. Die Begriffe „gerechte“ und „ungerechte“ Herrschaft sind schnell bei der Hand, insbesondere dann, wenn sich Herrschaft explizit über Gerechtigkeit legitimiert und über deren normativen Gehalt verfügt. Es gehört zur Geschichte der Gerechtigkeit, dass diese Verhält­nisse wiederum alternierende Gerechtigkeitsvorstellungen hervor treiben. Weiterlesen

___

Exposé zur Dissertation „Gerechte Herrschaft und sozialer Wandel in Russland um 1900“

„Gerechtigkeit bildet einen zentralen Grundsatz des gesellschaftlichen Lebens überhaupt und ist aus der moralischen Reflexion sowie aus der normativen Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens nicht wegzudenken.“ Weil dem so ist, haben sich Menschen schon immer und ohne, dass das Thema jemals an Aktualität eingebüßt hätte, mit der Frage beschäftigt, was Gerechtigkeit sei und wie sie sich verwirklichen lasse. Das betrifft die Frage nach einem gerecht gestalteten menschlichen Zusammenleben ebenso wie die Frage nach einer angemessenen Verteilung von Gütern und Lasten, Rechten und Pflichten in einer Gesellschaft. Letzten Endes aber ist das Nachdenken über gerechte gesellschaftliche Verhältnisse unweigerlich verbunden mit der Frage nach der Gerechtigkeit von Machtverhältnissen und damit von Herrschaft. Sie ist es, die die genannten Güter und Lasten verteilt und die Verhältnisse in einer Gesellschaft, wenn nicht schafft und ordnet, so doch maßgeblich mitbestimmt. So kommt es, dass das Nach- denken über eine gerechte Ordnung ebenso alt ist wie auch der Versuch, Herrschaft mit der Kategorie der Gerechtigkeit zu legitimieren, ihre Vollmachten als Instanz von Gerechtigkeit festzulegen und die Grenzen einer als willkürlich und ungerecht empfundenen Herrschaft zu bestimmen. Zum kompletten Exposé

___

„Die Jugend in der frühen Sowjetunion (1917-1928) und im Russland des beginnenden 21. Jahrhunderts (2000-2008) – der Komsomol und die Naši-Bewegung im Vergleich“

Ohne Jugend ist kein Staat zu machen“ – so betitelte im Jahr 2007 die Friedrich-Ebert-Stiftung ein von ihr initiiertes Planspiel[1], so zeigt es sich durchgängig mehr oder weniger offensichtlich durch die verschiedenen Epochen der Geschichte und so kann die grundlegende Annahme der Magisterarbeit umfasst werden.

Jugend und Staat, Jugend und Gesellschaft – dies stellt eine Verbindung dar, die als äußerst komplex und wirkungsvoll in verschiedenen Richtungen zu charakterisieren ist. Sowohl die Komsomolzen („kommunističeskij sojuz molodeži“, Kommunistischer Verband der Jugend) wie auch die Naši-Bewegung („Unsere“, „die Unsrigen“; auch Putin-Jugend genannt), die Gegenstand der Magisterarbeit waren, können als Beispiele für eine charakteristische Staat-Jugend-Beziehung angenommen werden. Die These in dieser Arbeit bezog sich auf die damaligen Diskussionen des beginnenden 21. Jahrhunderts, welche die Naši-Bewegung in den Blick nahmen und sie in die Tradition des kommunistischen Jugendverbandes der Komsomolzen einordneten.

Die Magisterarbeit umfasst drei große Themenkomplexe: die Frage der Beziehung zwischen Staat und Jugend, der Blick auf die Jugend und die Jugendorganisationen in der frühen Sowjetunion und im Russland des beginnenden 21. Jahrhunderts sowie einen abschließenden Vergleich zwischen einerseits der Jugend in der frühen Sowjetunion und dem Russland des 21. Jahrhunderts und andererseits der beiden entsprechenden Jugendverbänden.

Als Fazit dieser Arbeit kann eindeutig konstatiert werden, dass die besagte russische, durch die Regierung geschaffene Naši-Bewegung zwar gewisse Ähnlichkeiten mit der kommunistischen Jugendorganisation der Komsomolzen in Bezug auf Struktur, Aktivitäten und Zielsetzung aufweist, aber auf keinen Fall als eine fortgeführte sowjetische Tradition gesehen werden sollte. Dies nicht nur aufgrund der im Vergleich zu der Bevölkerung gesehenen geringen Mitgliederzahlen, sondern besonders im Hinblick auf die Einordnung in den aktuellen Kontext der sozialen und politischen Situation der Russischen Föderation: Weder gibt es eine starke Parteienlandschaft, die auf die Jugend einwirken könnte, noch ergibt sich für die Regierung die Möglichkeit, beeinflussend auf den Großteil der Jugend einzuwirken. Mit dem Zerfall der Sowjetunion sind eine Reihe neuer (westlicher) Einflüsse zu verzeichnen, die sich bereits seit mehr als zehn Jahren entwickelt haben und der heutigen russischen Jugend vor allem im Rahmen des Internet als zur dieser Zeit noch von der Regierung schwer einzusehende Plattform dienen. Dahingehend erscheint es für die russische Regierung kaum möglich, die Jugend in einer solchen Art und Weise für sich einzunehmen, wie es die Parteiführung der frühen Sowjetunion aufgrund gegebener revolutions- und bürgerkriegsbedingter Einflüsse gekonnt hatte. So ist es nach der Analyse, die in dieser Arbeit vorgenommen wurde, übertrieben und wenig gerechtfertigt, die Naši-Bewegung in der Tradition einer ehemals allumfassenden, politisch und strukturell starken Jugendbewegung der Sowjetunion zu sehen und sie dementsprechend zu bewerten.

[1] Friedrich-Ebert-Stiftung, Büro Dresden (Hg.): Planspiel Kommunalpolitik. Ohne Jugend ist kein Staat zu machen, Dresden 2007, http://library.fes.de/pdf-files/bueros/dresden/04246.pdf, letzter Zugriff: 29. Sept. 2014.

-al-